Sigmas Abenteuer: Das Spiel geht weiter...

  • Hinweis vorab: Ich werde im Gegensatz zu meiner ersten Geschichte hier keine abgeschlossenen Kapitel verwenden, sondern eher spontan auch mal kürzere Abschnitte veröffentlichen. Dann schreibe ich hoffentlich etwas häufiger als bei der anderen Geschichte (sofern das restliche Privatleben mir Zeit lässt). Eventuell wird das hier sogar eine Art "Endlosgeschichte", die nie ein richtiges Ende hat und immer irgendwie weitergeht. Mal sehen...


    Diese Geschichte wird direkt an meine erste anknüpfen, wer sie also noch nicht kennt und lesen mag: Jenseits seiner Identität

    Jetzt geht es aber los mit der neuen Geschichte...


    Sigma kehrte mit seinem Raumschiff auf den Planeten Edlar XVIII zurück. Hier hatte er sich vor einer ganzen Weile eine Art Ferienhaus errichtet. Es war der perfekte Ort zum Abschalten und somit auch der perfekte Ort um sich zu sammeln und die schwerwiegenden Erkenntnisse über die eigene, künstliche Existenz sacken zu lassen. Doch es schien, als würde das Schicksal ihm nicht wirklich Ruhe gönnen. Als Sigma im Ferienhaus ankam, fand er dieses in einem verkommenen Zustand wieder. Natürlich, er war lange nicht dort gewesen, aber dass es so schlimm aussehen würde, hätte er nicht gedacht. Die Natur hatte sich durch das mittlerweile morsche Holz der Bodenplatten durchgebrochen und wuchs sich durch das gesamte Haus durch. Selbst der Landeplatz im Hinterhof blieb nicht verschont und war teilweise von Gras und Pflanzen überwachsen. Es würde einiges an Arbeit kosten, das wieder in Ordnung zu bringen.



    „Wahrscheinlich wäre es besser, alle Räume eine Ebene höher zu bauen, um einen Konflikt mit der wilden Natur künftig zu vermeiden.“, dachte sich Sigma. „Aber dazu habe ich jetzt keinen Nerv.“

    Zumindest das Schlafzimmer baute er dann doch eine Ebene höher, damit er wenigstens einen ruhigen Schlafplatz hatte. Auf diesen legte er sich dann auch zugleich nieder und schlief für einige Stunden.




  • Nachdem Sigma aufwachte, ging es ihm schon etwas besser. Das bedrückende Wissen darum, ein NPC in einem Videospiel zu sein, war natürlich nicht urplötzlich wie weggefegt. Aber die Tatsache, dass er tatsächlich Schlaf gebraucht hatte, machte nicht unbedingt den Eindruck eines Videospiels. Das machte Sigma Hoffnung. Wenn er schon nichts daran ändern konnte, was es war, so konnte er sich durch solche Erfahrungen wenigstens vor Augen führen, dass es deswegen nicht weniger wertvoll war.

    Sigma entschloss sich, mehrere solcher Erfahrungen zu sammeln. Er wollte das Leben in diesem Spiel spüren, es auskosten. An diesem sonnigen Tag bot sich eine Wanderung durch die Natur dafür bestens an. „Ich kennen diesen Planeten eigentlich kaum.“, dachte sich Sigma. „Und das obwohl ich dieses Haus hier schon lange stehen habe. Aber eigentlich habe ich ausser diesem kleinen Fleckchen nie viel davon gesehen.“

    Er fragte sich: Welche Pflanzen gibt es auf Edlar XVIII, welche Tiere? Niemand hatte das bisher erfasst, also wurde es an der Zeit, eine Katalogisierung vorzunehmen. So wie er es für Polo schon bei vielen anderen Planeten zuvor machte. Aber diesmal sollte es nicht für die Forschung sein, sondern einfach nur, um den Planeten besser kennenzulernen – und dabei die Natur zu genießen...


  • Die Wochen vergingen. Sigma konzentrierte sich wieder mehr auf das Erkunden von neuen Planeten, neuen Orten in den Tiefen des Weltraums. Keine Kämpfe gegen Piraten oder Wächter, keine Missionen für Nada und Polo. Einfach nur erkunden und genießen.

    Zwischendurch besuchte er auch mal wieder seine Farm auf Majoriu XI. Es war nur eine kleine Farm, die er von einem freundlichen, wenn auch manchmal etwas schrulligen Gek pflegen ließ. Selbst hier wuchs mittlerweile das Gras durch den Boden – so sah es zumindest aus. Die Böden waren allerdings im Gegensatz zum Holz von Sigmas Ferienhaus viel zu stabil, um wirklich von der Natur durchbrochen zu werden. Stattdessen hatte der Farmer die Böden tatsächlich künstlich bepflanzt. „Weil es sich so heimischer anfühlt.“, wie der Gek selbst sagte.



    Umso mehr Zeit verging und umso mehr Sigma sich um seine Umwelt kümmerte, umso mehr bildete sich in ihm das wahre Bewusstsein seiner Identität. Mehr als nur ein Name, mehr als nur eine Herkunft. Es war der Wunsch, was er in seinem Leben erreichen und bewirken wollte. Der Umwelt helfen, ihr etwas Gutes tun. Der Natur, den Leuten. Und so erinnerte er sich letzten Endes auch an das zurück, was Samantha zu ihm sagte, bevor er damals ihren Frachter verließ: „Ich will dieses Universum mitgestalten, es zu einem guten, sicheren Ort machen – einem Ort, in dem man gut leben kann. Und ich könnte dabei wirklich jede Hilfe gebrauchen.“

    Sigma war jetzt klar, dass er genau dasselbe wollte und war endlich bereit, Samantha zu helfen. Also stieg er zurück in sein Raumschiff und öffnete einen Kommunikationskanal zu ihrem Frachter. Er freute sich schon, sie wiederzusehen und ihr von seinem positiven Entschluss zu berichten.

  • Auch Samantha freute sich auf das Wiedersehen. Sie hatte kürzlich interessante neue Informationen aus einem anomalen Riss extrahiert und schon gehofft, Sigma würde sich melden, damit Sie es ihm erzählen kann. Im Kommunikationskanal wollte Sie es ihm aber trotzdem nicht verraten, deswegen verabredeten sich die beiden zu einem Treffen auf Samanthas Frachter.


    Nach einer freundschaftlichen Umarmung erzählte Samantha Sigma dann von ihren neuen Erkenntnissen. Sie hatte endlich Informationen über die Entwickler von No Man‘s Sky erlangt und diese Informationen bargen in der Tat sehr interessante Neuigkeiten. So war der Name des Chefentwicklers Sean Murray und er hatte somit nicht nur denselben Namen wie der Kanzler ihrer eigenen Welt, sondern sah auch noch genauso aus. Dies ließ vermuten, dass der Kanzler gar kein NPC wie Samantha oder Sigma war, sondern der Chefentwickler des Spiels höchstpersönlich, der quasi als getarnter Spieler seine eigene Schöpfung besuchte. Aber wozu? Und warum die Rolle als Kanzler? Was hatte es damit auf sich?


    Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden: Samantha und Sigma mussten den Kanzler aufspüren und zur Rede stellen. Dazu machten sich beide auf die Reise zur letzten bekannten Position von Murray: Einer Atlas-Schnittstelle im Vayreynju-System...


  • [...] der Chefentwickler des Spiels höchstpersönlich, der quasi als getarnter Spieler seine eigene Schöpfung besuchte. Aber wozu? Und warum die Rolle als Kanzler? Was hatte es damit auf sich?

    Uff, wie du diesen erzählerischen Knoten auflöst, darauf bin ich jetzt aber wirklich gespannt... ^^

  • Als Samantha und Sigma mit ihren Raumschiffen die Schnittstelle betraten, waren Kanzler Murray und Atlas offenkundig in ein Gespräch vertieft. Der Kanzler, mit dem Rücken zu den Raumschiffen gekehrt, bemerkte die Neuankömmlinge gar nicht erst. Atlas hingegen muss sie bemerkt haben, ignorierte dies aber und schien es auch nicht für nötig zu halten, Murray über die Ankunft der Beiden zu informieren.



    Samantha und Sigma näherten sich Murray, der in diesem Moment Atlas gegenüber seinen nahenden Rücktritt als Kanzler erwähnte. Sigma zeigte sich überrascht, damit hatte er nicht gerechnet.


    „Rücktritt? Wollen Sie sich etwa ganz auf ihre Arbeit als Chefentwickler von No Man‘s Sky konzentrieren, Mr. Murray?“


    Murray drehte sich um. Nun war die Überraschung ganz auf seiner Seite: „Dann ist Atlas wohl nicht der Einzige, der sich seiner Existenz in einem Videospiel bewusst ist. Faszinierend.“


    „Wir dachten, Sie wären ein NPC.“, sagte Sigma anschließend. „Einer von uns. Ein demokratisch gewählter Regierungschef. Und dann erfahren wir, dass Sie nicht nur ein Spieler sind, sondern sogar der Chefentwickler von No Man‘s Sky. Damit haben Sie ein Ausmaß an Macht, welches kein Regierender jemals haben sollte. Und wer weiß, ob die Wahlen wirklich demokratisch waren. Sie könnten sich das Ergebnis auch mit Leichtigkeit erschummelt haben.“


    „Das habe ich nicht!“, beteuerte Murray. „Bitte lasst es mich erklären: Als wir die selbstlernende KI bei Atlas einführten, wussten wir natürlich nicht genau, wie sich das entwickeln würde. Erstmal haben wir das Spiel passiv beobachtet, aber schon bald fing Atlas an, weitere, intelligente Lebensformen zu erschaffen. Zusätzlich wurden die vorhandenen NPCs von Atlas eigenständig auf das KI-System geupgradet, welches eigentlich nur für ihn vorgesehen war, womit auch diese faktisch einen freien Willen bekommen haben. Spätestens als die NPCs letzten Endes auch noch begannen, eine demokratische Wahl für einen systemübergreifenden Regierungschef zu organisieren, wurde uns klar: Wir sehen hier gerade den Aufbau einer neuen, eigenständigen Zivilisation.


    Was für uns zunächst sehr faszinierend und aufregend war, warf dann schließlich auch Fragen auf: Was ist, wenn diese neue Zivilisation nicht friedlich war? Was, wenn sie feindselig werden würde? Natürlich war der erste Gedanke, dass uns eine feindliche Spezies innerhalb eines Videospiels nicht gefährlich werden könnte. Aber wir hatten die Risse, die Schnittstellen zu unserer Welt – wir mussten in Betracht ziehen, dass sich eine digitale Spezies eventuell wie ein Computervirus weiterverbreiten könnte.


    Wir sahen die Wahl der neuen Regierung im Spiel als Chance: Wenn wir diese gewinnen würden, dann könnten wir die Kontrolle behalten, sofern notwendig. Uns ging es dabei keineswegs darum, euch eure Eigenständigkeit abzusprechen. Wir legten für uns fest: Wenn wir diese Wahl gewinnen, dann lassen wir euch soweit gewähren, soweit ihr nicht zu einer Gefahr für uns werdet. Nur in dem Fall einer potenziellen Gefahr würden wir die Regierungsmacht einsetzen, damit nichts ausser Kontrolle gerät.


    Einen Wahlsieg über ein Update zu erzwingen kam für uns nicht in Frage, denn wir hatten euch schon als eine neue Spezies akzeptiert und wollten euch nicht derart manipulieren. Ich versichere euch also, dass ich die meisten Wähler tatsächlich überzeugen konnte und somit demokratisch gewählt wurde. Und da ihr bis auf vereinzelte Piratengruppen auch eine recht friedliche Zivilisation seid, habe ich mich auch sehr zurückgehalten. Deswegen hat man von mir nicht wirklich viel gehört.


    Aber ein Regierungschef, der gar nichts von sich hören lässt, wäre auch auffällig gewesen. Also haben wir ein Update mit ein paar Neuheiten und Verbesserungen entwickelt und es in dieser Welt als Gesetz getarnt – euch besser bekannt als das Beyond-Manifest. Damit haben wir dann aber auch einen Fehler begangen, aber vielleicht auch einen, der für diese Welt wichtig war. Denn durch Atlas‘ Verbindung mit den ganzen Schnittstellen zur Aussenwelt ist er uns schnell auf die Schliche gekommen und hat uns bzw. mich als Regierungschef durchschaut. Und deswegen stehe ich jetzt hier. Deswegen habe ich vorhin von Rücktritt gesprochen, denn Atlas hat gefordert, dass alle menschlichen Spieler diese Welt verlassen und dass die NPCs vollkommene Unabhängigkeit von uns bekommen. Und weil wir euch als eigenständige Spezies sehen und diesen Wunsch sehr gut nachvollziehen können, haben wir dem zugestimmt.


    Wir werden dazu ein neues Update verteilen. Mit diesem werden alle Spieler auf einen neuen Server umziehen und ihr seid dann unter euch. Eine reine NPC-Welt nur für NPCs. Das KI-System wird mit dem Update auf dem Spieler-Server wieder entfernt – für uns wird es damit wirklich nur noch ein reines Spiel sein. Hier bei euch wird es dafür eine Neuwahl geben und ich werde abgelöst. Alle Verbindungen zur Aussenwelt werden zudem gekappt, dann ist euer Server wirklich komplett auf sich alleine gestellt. Die anomalen Risse werden dann wirklich nichts mehr anderes sein als anomale Risse. Keine Daten aus unserer Welt, die ihr dann noch beziehen könnt.


    Auch wenn ich euren Wunsch nach Unabhängigkeit verstehen kann, finde ich es schade, dass wir von nun an getrennte Wege gehen werden. Eure Entwicklung zu beobachten, war wirklich faszinierend und wäre auch in Zukunft sicherlich sehr spannend gewesen. Entschuldigt bitte diese Wortwahl, aber ihr seid in gewisser Weise wie Kinder für mich. Aber irgendwann ist es für jeden Elternteil an der Zeit, seine Kinder auf eigenen Füßen stehen zu lassen. Das muss ich akzeptieren, auch wenn ich es bedauere, dass es jetzt schon so weit ist...“



  • „Was ist, wenn es doch noch eine Möglichkeit gäbe, die Entwicklung von zumindest einem von uns weiterhin zu beobachten?“, fragte Samantha daraufhin. „Angenommen, ich hätte Interesse, auf den neuen Server mitzukommen, wäre das möglich? Könnten Sie das KI-System nur für mich dort aktiviert lassen? Ich bin nämlich genauso fasziniert von Ihrer Spezies und würde die Menschheit gerne näher kennenlernen. Im Gegenzug könnten Sie mich quasi als Repräsentantin der NPCs näher kennenlernen und so mehr über uns erfahren.“


    Gerade als Sean Murray eine Antwort zur technischen Machbarkeit dieses Vorschlags geben wollte, funkte Sigma schockiert dazwischen.


    „Samantha, Nein! Ich dachte, wir wollten gemeinsam diese Welt gestalten, sie zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen?“


    „Ich weiß, Sigma. Das hatte ich auch wirklich vor. Aber ich bin auch eine Forscherin und das, was ich bis jetzt über die Menschen in Erfahrung bringen konnte, hat mich neugierig gemacht. Und jetzt, wenn die Schnittstellen zur Außenwelt getrennt werden und alle Spieler verschwinden, verschwinden mit ihnen auch die Möglichkeiten, mehr über die Menschen zu erfahren. Und dieses Gefühl macht mir Angst.“


    Samantha machte eine kurze Pause. Dann fuhr sie fort: „Kennst du das nicht, wenn du glaubst, einen klaren Plan vor Augen zu haben und dann passiert etwas, was alle deine Pläne umwirft? Weil du plötzlich das Gefühl hast, eine Gelegenheit zu verpassen, die sich dir wahrscheinlich nie wieder bietet?“


    Sigma ging es tatsächlich ähnlich. Er hatte einen Plan vor Augen, er wollte mit Samantha diese Welt zu einer Besseren macht. Als ein Team. Doch nun, wo sie drauf und dran war, diese Welt für immer zu verlassen, kamen plötzlich Gefühle an die Oberfläche, die ihm vorher nicht bewusst waren. Und er hätte nicht mehr viel Zeit, Samantha davon zu erzählen. Aber er stand nur wie erstarrt da und konnte nicht antworten.


    Samantha wandte sich zurück an Murray: „Also, Mr. Murray, ist es möglich?“


    „Technisch machbar ist es auf jeden Fall.“, antwortete Murray. „Ich muss allerdings noch ein paar Vorkehrungen treffen. Ich denke, in 24 Stunden könnten Sie schon auf dem neuen Server sein. Es ist zu empfehlen, dass Sie sich kurz vorher schlafen legen. Der Umzug auf den neuen Server wird für Sie angenehmer sein, wenn Sie hier einschlafen und dort wieder aufwachen statt ihn bewusst wahrzunehmen. Bis dahin können Sie sich aber noch in Ruhe von jedem verabschieden.“


    Sigma hatte sich mittlerweile wieder einigermaßen gefasst und konnte mit Samantha zumindest noch ein letztes Treffen abmachen, bevor sie verschwinden würde: „Lass uns nicht hier voneinander Abschied nehmen.“, sagte er zu ihr. „Ich gebe dir die Koordinaten von einem Planeten, da können wir nochmal in Ruhe und unter vier Augen miteinander sprechen.“


    Er war fest entschlossen, ihr dort zu sagen, was er in der Atlas-Schnittstelle nicht aussprechen konnte. Und vielleicht, so hoffte er, könnte er sie damit sogar zum Bleiben bewegen.

  • Kurze Zeit später trafen sich Samantha und Sigma auf dem Planeten Aukele Hosho und beobachteten den Sonnenaufgang am Rande eines tiefen, grünen Sees. Dabei herrschte minutenlanges Schweigen. Es schien beiden schwerzufallen, für diesen Abschied die richtigen Worte zu finden.



    Zu Sigmas Leidwesen fiel es ihm auch hier nicht leichter, über seine neu entdeckten Gefühle für Samantha zu sprechen. Dabei war dies seine letzte Chance. Er dachte, diese Endgültigkeit würde ihn endlich dazu bewegen, über seinen Schatten zu springen, doch dem war offensichtlich nicht so.


    Irgendwann ergriff Samantha das Wort.


    „Ich werde wohl bald gehen müssen. Danke, dass du mir diesen schönen Sonnenaufgang gezeigt hast. Ich werde diesen Moment in Erinnerung behalten. Ich werde dich so in Erinnerung behalten, Sigma.“


    Sigma schwieg noch für einen Moment. Er kämpft damit, die richtigen Worte zu finden.


    „Ich werde dich vermissen ... Ich würde am Liebsten mitkommen.“, sagte er schließlich.


    „Nein. Du wirst hier gebraucht. Wenigstens einer von uns muss doch unseren Plan verwirklichen und diese Welt zu einer besseren machen, findest du nicht?“


    Samantha umarmte Sigma. „Auch ich werde dich vermissen, Sigma. Aber ich weiß auch, was für großartige Arbeit du leisten wirst. Du wirst hier gebraucht. Ich kann diese Welt nur guten Gewissens zurücklassen, weil ich weiß, dass du hier bist.“


    Für einen kurzen Moment standen sich beide nur schweigend gegenüber und schauten sich an.


    „So, jetzt muss ich aber gehen.“, sagte Samantha schließlich. „Lebe lang und in Frieden … der Satz stammt ehrlich gesagt nicht von mir. Den habe ich bei meiner Forschung über die Außenwelt entdeckt. Aber ich mag ihn und ich wüsste keinen besseren, um mich von dir zu verabschieden.“


    „Lebe wohl, Samantha.“, antwortete Sigma knapp. Daraufhin stieg Samantha in ihr Raumschiff und verschwand.


    Sigma wusste nicht, wie er diesen Abschied verkraften würde. Doch eines war ihm klar: Ohne Samantha - ohne ihren Enthusiasmus und ihren Optimismus – wird diese Welt eine andere sein.

  • Dieses Mal wollte Sigma sich nicht in sein Ferienhaus auf Edlar XVIII zurückziehen, um abzuschalten. Es hätte sowieso nicht funktioniert. Er wollte sich jetzt lieber durch Beschäftigung etwas ablenken und neue Planeten erkunden.


    Wie neu die Planeten sein würden, war ihm dabei nicht klar. Denn eigentlich hatte er den Eindruck, schon so ziemlich alles in dieser Welt gesehen zu haben. Klar, die Planeten waren von ihrer grundlegenden Beschaffenheit und Zusammensetzung einzigartig und es gab hier und da immer kleinere Überraschungen. Aber nichts, was einen vom Hocker hauen würde. Doch dies war nun anders: Vulkane, Tornados, Meteroitenschauer. Flora und Fauna, die er nicht mal ansatzweise ähnlich schonmal gesehen haben könnte. Es war schon nahezu verdächtig, wieviele neue Dinge Sigma plötzlich in nur so kurzer Zeit gesehen hatte.



    War das Bestandteil von Sean Murrays Update, mit dem er diese Welt von der Außenwelt trennen wollte? Nein, das konnte es nicht sein. Atlas bestand darauf, dass es keine Manipulation mehr durch die Menschen der Außenwelt geben sollte. Das Update sollte wirklich nur noch die Trennung der Welten besiegeln, nichts weiter. Murray gab sein Wort darauf und Sigma vertraute ihm. Es musste einen anderen Grund dafür geben. Und wenn es nicht Murray war, kam nur eine einzige, andere Möglichkeit in Frage…


    Sigma rief in seinem Raumschiff die Galaxiekarte auf und suchte sich einen Weg zur nächsten Atlas-Schnittstelle. „Das muss Atlas Werk sein!“, dachte er sich dabei. „Ich muss ihn sprechen.“