Milly und ich

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  • Hier möchte ich euch die Geschichte von meiner jüngsten Reise in der EUKLID-Galaxie erzählen. Ich teile meine Erzählung in mehrere Abschnitte. So beginnt es nun...



    Prolog


    Ok, ich bin ein Jäger-Pilot.

    Jede Schiffsklasse hat ihre Vor- und Nachteile im Vergleich untereinander. Das macht eine Klasse nicht besser oder schlechter, als eine andere. Im Grunde kommt es auf den Bedarf und die persönliche Vorliebe an. Für mich war das Einsatzspektrum der Jäger-Klasse eben die passende Wahl.

    Nach einigen Reisen in verschiedenen Jägern fand ich eines Tages in einer Raumstation irgendwo in den Weiten der Euklid-Galaxie zu „meinem“ Schiff. Es war ein roter S-Klasse „Longnose“-Jäger und Liebe auf den ersten Blick.


        


    Ohne viel Erwartungen begann ich ein Gespräch mit dem Eigner dieses Schmuckstücks und ich hatte Glück. Der schon etwas betagte Raumfahrer hatte es satt sein Leben in einem Cockpit zwischen den Sternen zu verbringen. Finanziell hatte er wohl ausgesorgt und so hatte er sich entschlossen, sich auf einem Planeten niederzulassen und den Raumanzug an den Nagel zu hängen.

    Perfekt! Schon nach einer kurzen Zeit der Verhandlungen hatten wir einen Deal und ich ein neues Schiff!

    Natürlich handelte es sich um ein Gebrauchtfahrzeug, aber es war top in Schuss. Dennoch verpasste ich dem Jäger noch einige leistungsfähige Module und technische Sahnestückchen. Auch musste das Schiff noch auf mich registriert und für mich personalisiert werden. So baute ich auch einen neuen Transponder ein, der von nun an die Kennung „Roter Milan“ (nach dem terranischen Greifvogel 'milvus milvus') abstrahlte.

    Die KI des Schiffes taufte ich „Milly“, da mir „Roter Milan“ oder „milvus milvus“ im Gespräch miteinander zu sperrig schien. Gut, ich hätte sie auch kurz „Milan“ oder „milvus“ nennen können, aber – naja – „Milly“ gefiel mir besser :). Der Name lässt es schon vermuten – ich wählte in den Grundeinstellungen der Schiffs-KI eine weibliche Variante, versehen mit einer warmen, angenehmen Stimme.

    „Is ja klar“, höre ich schon Viele sagen oder denken, aber zwei Männer, tagelang zusammen in einem kleinen Raumjäger, das wäre für mich einer zu viel gewesen.

    Außerdem wollen die Grundeinstellungen gut überlegt sein. Damit formt man quasi die Seele der KI, die einem schließlich auf allen Wegen ein verlässlicher und angenehmer Gefährte (oder Gefährtin) sein soll. Da ist nichts, das man einfach ändert, wenn man mal eines Details überdrüssig geworden ist.

    Ich weiß, dass das nicht Alle so sehen, aber für mich ist meine KI mehr, als nur der Bordcomputer. Ich bin überzeugt, dass die KI mit der Zeit eine Art eigenes Bewußtsein entwickeln kann und den Grundstein für diese Entwicklung lege ich in den Grundeinstellungen.


    Also nun – Milly und ich.

  • System „Ogdogd-Ratc XII“ in der Euklid-Galaxie


    Die Raumschlacht


    Am Beginn jeder neuen Reise kreuz und quer durch die Euklid-Galaxie stehen für mich immer das Studium von Sternenkarten und eine Kanne heißen Kaffees. Glaubt mir Leute, es ist nicht leicht an terranische Kaffeebohnen zu kommen. Nur einige Gek-Händler verkaufen sie als Luxus-Gut und dann zu unglaublichen Preisen.

    Dieses Mal entschied ich mich für ein kleines System mit drei Planeten, die um einen gelben Stern kreisten. Die Sonne trug den für mich kaum aussprechbaren Namen „Ogdogd-Ratc XII“ und gehörte zum Territorium der Gek.

    „Milly, was meinst du?“

    „Ein Scan zeigt, dass dort hauptsächlich Nanokonstruktion betrieben wird. Die gesamtwirtschaftliche Situation ist zufriedenstellend, die Konfliktstufe wird als kritisch bezeichnet.“

    „Ok, das schauen wir uns mal an. Gib bitte die Koordinaten ein und dann los.“

    „Koordinaten eingegeben – voraussichtliche Reisezeit 20 Sekunden – starte Hyperantrieb.“


    Die farbigen Wirbel rings um mein Cockpit verblassten, das Dröhnen des Hyperantriebs verklang und ich fiel zurück in den Normalraum – mitten in eine heftige Raumschlacht. Ein Frachter und sein Verband aus Fregatten wurde von einer Meute Piraten attackiert. Seine Ladung musste wertvoll genug sein, um einen Angriff auf solche großen Schiffe zu riskieren.



    Mächtige Lichtbalken aus den Geschütztürmen der Großschiffe durchschnitten das unwirklich anmutende orangefarbene Leuchten in diesem Sonnensystem. Ein Treffer damit wäre das Ende jedes der Angreifer gewesen. Doch die Piraten saßen in kleinen Schiffen, zu schnell und zu wendig für die großen Kolosse. Sie mussten daher mehr die Abfangjäger fürchten, die der Verband ausgesandt hatte.

    „Verd... Piratenpack,“ fluchte ich. „Schlimm genug, dass man sich mit diesen sogenannten 'Wächtern' abgeben muss, da versaut einem diese Geißel des Universums immer wieder mal den Tag! Milly, Schilde auf Maximum, Offensive auf Phasenstrahler schalten!“

    „Erledigt“, bestätigte die KI grimmig. „Dies ist ein Kampfschiff und sie werden sich nicht freuen uns zu sehen.“



    Inzwischen hatten die Angreifer den zusätzlichen Gegner registriert und gleich mehrere Aggressoren nahmen mich ins Visier. Ich schlug einige Haken, konnte jedoch den einen oder anderen Treffer nicht verhindern. Aber die Schilde des Milan waren stark und die Einschläge hatten nur geringe Auswirkungen. Nach der letzten scharfen Wendung meines Jägers hatte nun ich einen der Piraten im Visier des HUD. Zwei parallel laufende, grüne Laserstrahlen der verstärkten Phasenstrahler durchschnitten das feindliche Schiff wie ein heißes Messer Butter. Ich kümmerte mich nicht um die Trümmer und nahm sofort den nächsten Gegner auf's Korn.


    Nach und nach reduzierte sich die Anzahl der Angreifer. Die Piraten mussten die Gefährlichkeit des Milan registriert haben, denn sie konzentrierten sich zunehmen auf mich. Es musste ihnen doch bewußt sein, dass ihre Erfolgschancen immer geringer wurden. Aber Flucht gehörte wohl nicht

    zu ihren erwägenswerten Alternativen. So endete die Schlacht unausweichlich damit, dass alle Angreifer eliminiert wurden.

    Milly empfing eine Grußbotschaft des Frachterkommandanten, in der dieser sich für die schlagkräftige Hilfe bedankte und mich zu sich an Bord einlud. Ich wechselte einige freundliche Worte mit ihm und bat ihn höflich um Entschuldigung dafür, dass ich seiner Einladung nicht folgte. Nach der „heißen“ Begrüßung in diesem System wollte ich endlich mit meiner Erkundung beginnen und da war der erste Anlaufpunkt die Raumstation.

    „Milly, alle Systeme auf 'normal' und Landerlaubnis für die Raumstation einholen“.

  • Die Raumstation „Treffpunkt“


    „Einfluggenehmigung für 'Roter Milan' erteilt, Landepad Delta 2 wird zugewiesen“, tönte eine seelenlose Stimme aus dem Translator des Schiffes. „Das Büro der Stationsverwaltung finden sie in Einflugrichtung links“.


    Kurz vor Einflug in die Station übernahm ein bläulich flimmernder Traktorstrahl die Steuerung. Das automatische Landesystem setzte den Milan weich auf Landepad Delta 2 auf und drehte ihn direkt in Abflugposition. Als die Triebwerke ausliefen verließ ich das Cockpit mit dem Bordteleporter und rematerialisierte auf der Landeplattform, direkt neben meinem Schiff.

    Kurz suchte ich die Stationsverwaltung auf, um die nötigen Formalitäten zu erledigen. Bürokratie gibt es an jedem Ort des Universums und in jeder Kultur *seufz*. Die Kontore der verschiedenen Modul-Händler in dieser Sektion des „Treffpunkt“ ignorierte ich, ebenso den dort tätigen Schrotthändler und die Stationen zur personellen Modifikation und Schiffsausstattung.

    Mein Ziel war eher die Sektion, die auf der gegenüber liegenden Seite des Landebereichs lag. Dort tummelten sich Stationsmitarbeiter und Reisende der unterschiedlichsten Rassen und Unterhaltungen mit diesen Wesen verhalfen erfahrungsgemäß zu wertvollerem Wissen über ein System, als die frei zugänglichen Datenbanken es konnten.

    Wie ich es erwartet hatte, befanden sich viele Leute in diesem Abschnitt der Raumstation. Überwiegend waren es Gek, die ihren Geschäften nachgingen. Es war besser nicht immer genau zu wissen, welche das waren. Dieses Händlervolk war schwer zu durchschauen und ihr manipulativer Einsatz bewußtseinsverändernder Pheromone bei Gesprächen machte sie nicht unbedingt vertrauenswürdiger.

    Es war mir klar, dass ich vor allem Gek hier antreffen würde. Schließlich befand ich mich auf Gek-Territorium und dies war eine Gek-Raumstation. Aber ich traf auch einige Korvax und wenige Vy'keen, gefährlich aussehende starke Krieger, die mit ihrer beeindruckenden Präsenz sofort aus der Masse heraus stachen. So unterschiedlich alle auch waren, sie waren zu einem Reisenden wir mir sehr freundlich und hilfsbereit. So erfüllte sich meine Hoffnung und ich erfuhr mehr über die Region.

    Schon eine ganze Weile hatte ich mich hier aufgehalten, da stieß ich auf einen fremden Reisenden einer mir unbekannten Rasse. Interessiert fragte ich ihn, woher er komme und er gab mir ausweichend die Koordinaten einer Anomalie, einer Art Nexus, Treffpunkt aller Reisenden in diesem System. Dann fragte er mich nach MEINER Herkunft.

    „Ich bin ein Terraner und stamme aus einer weit, weit entfernten Galaxie namens „Milchstraße“. Meine Heimatwelt ist Terra, 3. von 8 Planeten im System einer gelben Sonne mit Namen „Sol“. Hast du schon mal davon gehört?“

    Bedauernd verneinte der Fremde und bot mir im Tausch gegen mein Wissen Informationen über dieses System an.

    Den Handel ging ich gerne ein und so berichtete ich dem Fremden alles, was ich über die „Milchstraße“ im Allgemeinen und das solare System im Besonderen wusste. Im Gegenzug erfuhr ich etwas über die Beschaffenheit und Eigenheiten der drei Planeten in diesem System.

    Der 1. Planet („Opiumfor Gamma“) war demnach ein extrem kalter Planet und Heimat aggressiver Wächter. Auf dem 2. Planeten („Mezeth H12“) wäre es dagegen ungemütlich warm, um nicht zu sagen heiß. Zwar wären dort kaum Wächter unterwegs und die träten neutral und tolerant in Erscheinung, aber angenehm schien es dort dennoch nicht zu sein. Der 3. Planet („Fann Tau“) sollte den Angaben zufolge für Sauerstoffatmer recht empfehlenswert sein. Es würde wohl manchmal heiße Regenstürme geben, aber die wären schnell vorüber. Einzig trüber Tropfen in der klaren Suppe: Ständig würden einem Wächter begegnen. Die Drohnen seien zwar tolerant im Normalfall, aber ihre häufige Präsenz nervte doch sehr.

    Ich bedankte mich bei dem Fremden. Wir waren beide mit dem Erfahrenen zufrieden und ich nahm mir vor, die so empfohlene Welt „Fann Tau“ näher zu erkunden. Zunächst aber musste ich noch einmal zur Verwaltung, um mich vom „Treffpunkt“ abzumelden und als Entdecker dieses Systems offiziell registrieren zu lassen. Bei meiner Ankunft hatte ich gesehen, dass noch kein anderer Reisender diesen Status geltend gemacht hatte. Ich schloss die Registratur mit meinem Namen und „Fhalya-127“ statt „Ogdogd-Ratc XII“ ab. Jetzt war ich bereit für meinen Flug zu „Fann Tau“ und ich war schon sehr gespannt, ob der fremde Reisende mit seiner Einschätzung richtig gelegen hatte.

  • Fann Tau“


    „Hallo Milly, alles ok hier?“

    „Willkommen zurück,“ empfing mich die KI mit warmer Stimme. „Alle Systeme sind 100% einsatzbereit. Eine Abfluggenehmigung wurde bereits erteilt. Ich warte auf deine Anweisung.“

    „Ok, dann erstmal raus ins All und Kurs setzen auf den Planeten „Fann Tau“. Impulsantrieb starten, sobald möglich.“

    Mit fauchenden Startdüsen hob der Milan federleicht vom Landepad ab und schoss dann, wie von einem Katapult geschleudert, mit gewaltiger Schubkraft aus der Raumstation heraus ins All. Milly brachte den Jäger in einer Kurve weit genug von der Station weg, um den Impulsantrieb aktivieren zu können. Noch war das Ziel nicht ausgemacht, aber es zeigte sich, dass es direkt vor mir lag und fast das gesamte Sichtfeld ausfüllte.

    „Impulstriebwerk wird gestartet,“ informierte mich Milly, während auf einem Display bereits ein kurzer Countdown auf '0' lief. Von jetzt auf gleich erfüllte ein tiefes Röhren das Cockpit und ich sah nur noch farbige Blitze rings um mich her.


         

    Kurz vor Erreichen des Planeten verstummte das Röhren bereits nach wenigen Sekunden abrupt und die Blitze verschwanden.

    „Impulstriebwerk deaktiviert,“ kommentierte Milly überflüssigerweise.



    „Oh, schön!“, schwärmte ich und meinte die Kugel vor uns. „Milly, schau dir das an! Blaues Wasser, das sieht man ja auch nicht so häufig. Viel Wasser – ok, sehr viel Wasser, aber das stört mich nicht. Gehen wir mal runter“.

    Blau, grün, weiß – der Planet präsentierte sich in den Farben, wie ich sie von Terra her kannte und liebte. Allein dieses allgegenwärtige orangfarbene Leuchten, statt der Tiefen Schwärze des Alls irritierte ein wenig.

    Ich wählte eine etwas größere Landmasse auf der Tagseite der blauen Perle aus und näherte mich schnell.



    „Achtung, Eintritt in die Atmosphäre,“ warnte Milly, während vom Frontschild heißes Plasma rot glühend um den Milan herum gelenkt wurde. Ich bremste leicht und schoss steil durch weiße Wolkengebirge. Nun bremste ich meinen Sturzflug stärker ab und genoss das Bild, das sich mir bot.



    Sanfte, grüne Hügel, einige schwebende, ebenfalls völlig grüne Strukturen, dazwischen schattige Bäume und immer wieder blaues Wasser – paradiesisch! Ich glitt geraume Zeit in etwa doppelter Baumwipfelhöhe über die Landschaft und sog den Anblick in mich auf.


       


    Schließlich entschloss ich mich zur Landung auf einer Ebene, unweit eines Waldes.

    „Milly, leite bitte die Landesequenz ein.“

    Milly bremste die Geschwindigkeit auf 0, fuhr die Landekufen aus und setzte sanft auf. Während das Triebwerk noch säuselnd verstummte, hatte ich mich schon nach draußen teleportiert. Ich konnte es kaum abwarten, die ersten Schritte in dieser Umgebung zu machen.



    Klar, diese ersten Schritte ging nur ich. Dennoch war Milly jederzeit bei mir. Wir waren über die Com im Helm verbunden und dessen visuelle Systeme waren ebenfalls mit der KI des Schiffes gekoppelt. So sah Milly alles, was ich sah (sogar mehr, denn sie war ja nicht auf das eingeschränkte Sehvermögen eines Menschen reduziert) und nebenher gab sie auch noch Acht auf meine Gesundheit :-).

    Gut 35 Grad Celsius Außentemperatur wurde mir auf die Innenseite des Helmvisiers projiziert. Ganz schön warm zwar, aber der Grund mochte auch sein, dass ich in der Äquatorregion gelandet war. Dennoch war es keine unangenehme Hitze, die man nur durch eine ständig laufende Kühlung des Raumanzugs kompensieren konnte oder die einem einen unangenehmen Schweißfilm auf dem ganzen Körper bescherte.


    Routinemäßig scannte ich meine Umgebung. Vor allem die hier heimische Fauna interessierte mich.

    Ich musste auch nicht lange warten, da hatte ich zwei Landtiere und einen fliegenden Gesellen mit dem Scanner registriert.

    Meine Begeisterung war wohl so offensichtlich, dass Milly fragte: „Wäre es nicht eine gute Idee, sich hier auf diesem Planeten eine Basis einzurichten? Mit einem Teleporter wärst du dann immer schnell in deinem Urlaubsparadies, könntest entspannen und deine mentalen Batterien aufladen.“

    „Du hast recht, Milly, der Gedanke kam mir auch schon. Lass uns noch ein wenig herumfliegen und schauen, ob wir ein schönes Plätzchen für uns finden.“

    Gesagt – getan. Wir hoben ab und erkundeten diesen Teil der Welt, indem wir in immer größeren Kreisen über die wunderbare Landschaft flogen. Hier und da, immer wenn ich eine ansprechende Stelle entdeckt hatte, setzten wir auf und machten uns zu Fuß ein deutlicheres Bild von der Gegend. Die Wahl fiel wirklich schwer, denn es gab so viele geeignete Plätze. Wir machten es dann so, dass ich einen Signalgeber aufstellte, um wieder zum jeweiligen Ort zurück zu finden. Dann flogen wir weiter, denn wer weiß? Vielleicht gab es ja noch ein viel schöneres Fleckchen?


    Wieder hatten wir eine Stelle gefunden, die ich mir gut als meinen Urlaubswohnsitz vorstellen konnte. Sie lag auf einer Struktur, die fast wie eine Zunge geformt war. Auf der ansteigenden Seite gab es einen schattigen Wald und auf dem absteigenden Teil eine große Ebene, die auch gut als Landefeld geeignet schien.



    „Ich denke, hier könnten wir unser Lager aufschlagen. Was meinst Du, Milly?“

    „Eine gute Wahl“, stimmte die warme Stimme in meinem Helm zu. „Dann setzen wir einen Basiscomputer aus und stellen unseren Anspruch auf das Gebiet. Wir sollten danach auch noch das Sprungportal zu diesem Planeten lokalisieren. Das wäre später sicher hilfreich, solltest Du mal jemand zu einem Urlaub hierher einladen wollen.“

    „Yep, so machen wir das. Ich habe noch eine Handvoll Karten dabei. Wenn wir Glück haben, führt uns eine zum Portal oder zumindest zu einem Monolithen, der uns den weiteren Weg weist. Aber zuerst der Basiscomputer und dann stelle ich auch noch einen Teleporter für uns auf.“

    Nachdem das entschieden war aktivierte ich einen Basiscomputer und ließ die Eigentumsrechte für dieses Gebiet prüfen. Wie sich zeigte, hatte bisher niemand Anspruch auf diese 'Zunge' erhoben und so machte ich das nun. Das Areal wurde unter dem Namen „Agade“ als meine Basis registriert. In einer Senke stellte ich noch einen Teleporter auf und verband ihn mit einem Solarpanel, nebst Batterie, um ihn rund um die Uhr mit der benötigten Energie zu versorgen.

    „Ich habe einen aufziehenden, heißen Regensturm entdeckt“, warnte mich Milly. „Ich empfehle Dich im Schiff zu schützen“.

    Der Empfehlung kam ich auch sofort nach und schon ging es draußen los. Wind peitschte gegen das Cockpitdach und dampfender heißer Regen prasselte zu Boden. So schnell, wie es begonnen hatte, endete es aber auch wieder. Knapp 3 Minuten hatte der Sturm angehalten, bevor es sich wieder aufklärte.

    „Na, wenn alle Stürme hier so sind,“ dachte ich bei mir, „dann ist das ja gut zu ertragen.“

    Ich stieg wieder aus, um mit Hilfe meiner Navigationskarten nach dem Portal dieses Planeten zu suchen.

    Schon mit der zweiten Karte hatte ich Glück, denn diese wies mir den Weg zu einem Monolithen, bei dem ich die Koordinaten für das Portal erhielt.



    Die Koordinaten meiner neuen Basis sind: +4.37, +38.84

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  • Basis „Agade“



    Zurück auf meiner Basis war nun wohl erstmal Planung angesagt. Wenn ich hier nicht einfach nur zelten wollte, musste ja zumindest ein Gebäude her. Aber alles sollte schlicht sein und sich möglichst in die Umgebung einfügen. Schließlich sollte die Basis zu meiner Entspannung dienen und da ist die Umgebung ein wichtiger Faktor. Eine Aussichtsterrasse sollte auch her. Die musste unbedingt sein. Ich sah mich im Geiste schon da sitzen und den Sonnenuntergang genießen.

    Milly war mir in dieser Phase des Basenbaus eher keine Hilfe, denn solche Überlegungen, die mit Sonnenuntergangsstimmung zu tun hatten, hatten in ihrem künstlichen neuronalen Netzwerk keinen Bedeutung. Sie hätte höchstens versucht Argumente vorzutragen, die meine Einstellungen und mein Wohlgefühl unterstützten. Das wäre fast so, als würde ich Selbstgespräche führen und meine Vorstellungen noch einmal mit mir selbst besprechen.

    „Habe ich recht, Milly?“

    Milly schwieg... ok.

    Mittlerweile war die Dunkelheit über meinem Urlaubsort hereingebrochen. Die erste Nacht in „Agade“!

    Die Temperatur war auf unter 24 Grad Celsius abgesunken – angenehme Nachtwerte. Um mich herum die Geräusche fremdartiger Nachtgeschöpfe, aber eine friedliche und, wie man so sagt, lauschige Nacht.

    Apropos friedlich – bisher hatte ich noch keine Wächterdrohne gesehen. Sooo nervig, wie der fremde Reisende es geschildert hatte, waren sie anscheinend doch nicht.

    Ich beschloss, die weitere Nacht im Schiff zu verbringen, geschützt vor etwaigen Stürmen und wer weiß, was noch.

    „Ich werde ein wenig schlafen, Milly. Weck' mich im Morgengrauen, damit ich mit meinem Bau beginnen kann.“

    „Natürlich“

    Hm... einsilbig. Kann eine KI eigentlich eingeschnappt sein?


    ...

  • Etliche Sonnenaufgänge und einige Liter Schweiß später war es geschafft und ich hatte MEIN Ferienhaus. Mit Millys Hilfe hatte der Replikator des Schiffes auf der Grundlage gespeicherter Blaupausen die benötigten Elemente hergestellt. Deren Zusammenbau nach meinem Plan blieb mir aber.

    Ich hatte mich für ein eher kleines Gebäude aus grünen Holzelementen entschieden, quasi eine Art Blockhausstil. Als Bauplatz hatte ich mir einen baumbestandenen, grünen Hügel ausgesucht.

    Ab und zu wurde ich bei meiner Arbeit von heißen Regenstürmen unterbrochen, aber die dauerten nie lange und dann hatte ich wieder einen klaren, blauen Himmel über mir. Von den als so nervig beschriebenen 'Wächtern' sah ich nicht viel. Aber vielleicht hatte ich auch nur Glück und dieser Winkel des Planeten blieb von ihrer Anwesenheit etwas verschont.



    Es war nicht einfach gewesen, das Gebäude harmonisch in die natürliche Flora einzufügen, aber am Ende war ich mit dem Ergebnis und meiner Arbeit sehr zufrieden.



    Ich hatte viele großflächige Fenster verbaut, was dem ganzen Gebäude eine gewisse helle Leichtigkeit verlieh. Außerdem gab es gleich drei Freiluftbereiche, eine Loggia und zwei Terrassen, von denen man einen weiten Blick über die hügelige Seenlandschaft hatte. Hier konnte ich entspannt sitzen, die Beine ausstrecken und das Abendrot genießen.


        


    Im oberen Teil des Gebäudes hatte ich einen schlichten Schlafraum mit einer Raumdecke aus Glas, damit ich vor dem Schlaf auf den dunklen Nachthimmel und die funkelnden Sterne schauen konnte.



    Seltsamerweise präsentierte sich das All tiefschwarz von der Planetenoberfläche aus. Dieses seltsame orangefarbene Leuchten in diesem Sonnensystem zeigte sich nur jenseits des Orbits.



    Einen Arbeitsraum hatte ich mir ebenfalls eingerichtet. Aber nur einen kleinen. Schließlich wollte ich hier Urlaub machen und nicht arbeiten.




    Eine Küche gab's natürlich auch, also keine Hunger Games :-).



    Zur Stromversorgung hatte ich, etwas abseits, außen einige Solarpanel und Batterien aufgestellt. Romantik ist ja nett, aber nur bei Kerzenschein wollte ich dann doch nicht sitzen.

    Ist es nicht schön, wenn etwas, das zunächst nur als Idee und Plan im Kopf exisitierte, am Ende Gestalt angenommen hat und man, zufrieden mit seiner Arbeit, das Werk stolz betrachten kann?


    Ihr mögt mich exzentrisch nennen, aber ich krönte den Abschluss meines Projekts mit einem Glas terranischen Rotweins (einige Kartons davon hielt ich mir immer für besondere Gelegenheiten in einem Lagermodul meines Frachters und fragt mich nicht, wieviel Units ich dafür diesem Gek in den Rachen ...äh... Schnabel stopfen musste) auf einer der Terrassen.

    Wer jetzt die Stirn runzelt und an meinen Helm denkt – es gibt da so eine Vorrichtung... :-)



    „Ach, Milly, schade, dass du nicht mit mir anstoßen kannst“

    „Aber ich bin bei dir und teile deine Stimmung.“

    „Ja, das stimmt und es ist schön. Aber es wäre noch schöner, wenn ich dich nicht nur als Stimme in meinem Helm wahrnehmen würde.“

    „Vielleicht entwickelt ja jemand mal eine Alternative für diese Form der Interaktion.“

    Nachdenklich blickte ich auf den Sonnenuntergang, dessen Licht rubinrot durch mein Weinglas funkelte. „Das wäre ja was,“ dachte ich.


    Aber das wäre auch eine andere Geschichte.