Milly und ich (2) - Projekt Avatar

  • Der Aufbruch


    Der Gedanke der „alternativen Interaktion“ mit meiner KI hatte mich seit dem Glas Wein im Sonnenuntergang in meinem Ferienhaus auf 'Fann Tau' nicht losgelassen. Die Aussicht, Milly nicht nur als Stimme in meinem Helm zu hören, war ungemein fesselnd. Das war nicht einfach eine Schnaps- (oder besser Wein-) Idee gewesen. Der Gedanke daran, diese Möglichkeit zu entwickeln, ließ mich nicht zur Ruhe kommen und so war mein „Urlaub“ auch nur kurz.


    Ein neues Projekt war in meinem Kopf entstanden und ich hatte nicht vor, dessen Verwirklichung 'auf die lange Bank zu schieben'. Ich behielt meine Gedanken aber für mich, denn ich wollte in Milly nicht vorschnell irgendwelche Erwartungen wecken.

    „Milly, ich glaube, es wäre eine gute Idee, irgendwo eine Forschungsstation zu errichten. So ein Punkt, an dem wir und vielleicht auch eine kleine Gruppe von Mitarbeitern uns ganz auf Technik und Entwicklung konzentrieren könnten.“

    „Guter Plan“, stimmte Milly zu. „Hast du schon einen geeigneten Platz für eine solche Anlage im Sinn? Es sollte ein ruhiger Ort sein, in einem stressfreien Gebiet, damit dort niemand in seiner Arbeit durch irgendwelche unerwünschten Einflüsse behindert wird und man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.“

    „Das sehe ich auch so. Warte, ich denke, ich weiß schon eine geeignete Gegend. Wir hatten da doch mal auf einem Planeten im Vy'keen Territorium eine Anlage gebaut, aber später nicht genutzt. Ich erinnere mich, dass es dort SEHR ruhig war. Tolerante 'Wächter' und völlig neutrales Biom. Mit ein paar Umbauten und Erweiterungen wäre das ein perfekter Ort zum Forschen.“

    „Dann lass' uns hin und schauen, wie es jetzt dort aussieht“

    „Ok, schau doch mal in unseren Verzeichnissen nach, wie der Name der Anlage war. Wir haben doch sicher einen Teleporter dort aufgestellt.“


    Dieses Teleporter-Netzwerk war schon was Feines. Ohne die Schiffstriebwerke zu starten kam man in einem Augenblick an sein Ziel, Lichtjahre entfernt.


    Milly meldete sich wieder: „Das System wurde auf dich als Entdecker unter dem Namen 'Fhalya-94' registriert. Die Anlage liegt auf dem Mond 'Bunts VI', der den Planeten 'Fukus 91/I9' umkreist. Deine Basis dort heißt 'Ucuse Xino'. Ein Teleporter ist vorhanden.“

    „Danke, Milly. Dann werde ich mal gehen und meine Sachen packen“


    Wenig später stand ich vor dem in einer Mulde aufgestellten 'Basis-Terminus' und gab die Adresse meiner alten Basis auf 'Bunts VI' ein.

  • Ankunft in 'Ucuse Xino'


    Die farbigen Wirbel verschwanden und ich blickte auf eine neue Umgebung.

    „Heiliger Brechwurz“, entfuhr es mir. Gut, ich war lange nicht mehr hier gewesen und ungenutzte Gebäude sehen immer … ungenutzt aus. Aber DAS hätte ich nicht erwartet. Der Teleporter stand im TechRaum dieser Basis. Hier waren unter anderem auch die Anlagen zur Energiegewinnung des gesamten Stützpunktes untergebracht. Das alles aber stand kniehoch im Gras und anderen Pflanzen.

    Wenn das hier schon so aussah, welcher Anblick würde wohl jenseits der großen Tür, die zum TechRaum führte, auf mich warten? Da war auch der große Aufenthaltsraum für das Basispersonal und Gäste.

    „Milly, ich glaube, hier müssen wir uns erst einmal die Basis von der Natur zurück erobern“, seufzte ich.

    „Nur Mut, das wird schon“, tröste mich Milly

    „Ja, was hilft's“, gab ich mir einen Ruck. „Schauen wir mal, wie es draußen aussieht“.


    Was soll ich sagen? Besser sah es dort auch nicht aus.

    Die komplette Einrichtung war von der hier heimischen Flora bedeckt. Ich nahm an, dass es im Außenbereich der Station auch nicht anders sein würde.

    Na toll, und kein Reinigungstrupp in der Nähe...


          



    Nach etlichen Stunden und mit Einsatz des Terrain Manipulators hatte ich es schließlich geschafft, die Station wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Hilfreich war dabei auch, dass dieser Planet über ein absolut neutrales Klima verfügte und man nicht vor irgendwelchen Stürmen Schutz suchen musste.

    Bei einem ersten Besuch damals hieß es auch, dass eine hohe Wächteraktivität gegeben sein sollte. Ich konnte das nie bestätigen, denn ich hatte nie einen Sentinel zu Gesicht bekommen. Vielleicht aber auch hier nur das Ergebnis einer glücklichen Standortwahl bei der Wahl meines Basisgeländes.

  • Die Forschungsstation


    Nachdem nun soweit alles ok schien, war es an der Zeit, diese Basis zu meinem Forschungszentrum auszubauen. Einen Bauplatz für die erforderlich werdenden zusätzlichen Gebäude hatte ich auf der oberen Ebene der Station schnell gefunden.


    Zuverlässig wie immer half mir Milly bei der Replikation der benötigten Gebäudeteile und Einrichtung. Es entstanden 4 neue Gebäude, in denen ich die Bereiche Waffentechnik, Landwirtschaft, Konstruktion und allgemeine Forschung unterbrachte. Über das interstellare Kommunikationsnetzwerk hatte ich daraufhin Stellen ausgeschrieben und Spezialisten für diese Bereiche unter Vertrag nehmen können.


    So hatte ich einen Waffenmeister der Vy'keen eingestellt, einen Gek-Fachmann für Landwirtschaft, einen Gek-Ingenieur für Konstruktionstechnik und einen Korvax-Wissenschaftler für die allgemeine Forschung. Allesamt Koryphäen auf ihrem Gebiet.

    Zusätzlich hatte ich mir in einem bereits vorhandenen Gebäude eine eigene, private Forschungsstation eingerichtet, in der ich gezielt nach den Möglichkeiten dieser „alternativen Interaktion“ suchen wollte.

             


             

    Mit einem letzten Transporter waren noch einiges Equipment und der letzte Wissenschaftler angekommen. Mein neues Forschungszentrum konnte in Dienst gehen.


    Um in Ruhe arbeiten zu können, hatte ich mir diese Basis ausgesucht, die auf einer dieser schwebenden Strukturen, die es hier gab, angesiedelt war. Das absolut entspannte Biom dieses Planeten trug ebenfalls dazu bei, dies zu einem perfekten Ort für mein Vorhaben zu machen.



    Am Fuß des schwebenden Plateaus stand das Portal dieses Planeten, das mit einem Kurzstreckenteleporter eine Verbindung 'nach oben' hatte (wenn man nicht extra die Triebwerke des Schiffs für den kurzen Weg starten wollte).



    Ich sah mich bestens für mein Projekt gerüstet und brannte darauf loszulegen.

  • Das Projekt – Teil 1


    Ok, das Technologiezentrum war gebaut, das Forschungslabor eingerichtet. Dennoch war das nur der erste Schritt. Die Spezialisten, die ich eingestellt hatte, besaßen ihre eigenen Forschungsgebiete und kümmerten sich nicht um mein privates Projekt. Ich brauchte aber kompetente Unterstützung, denn schließlich war ich kein Wissenschaftler und hatte keine Ahnung von dieser Form der Kybernetik. Sicher, ich war in der Lage Tests durchzuführen, Daten zu ermitteln und auszuwerten, aber unter Anleitung einer Person, dessen Metier diese Art der Forschung war. Mir fiel nur eine Rasse ein, die geeignet wäre, mich in meinem Projekt voran zu bringen. Die Korvax. Wer, wenn nicht diese kybernetischen Intelligenzen, hätte die Kompetenz eine Lösung für dieses Problem zu finden.

    Mit Hilfe des Basis-Terminus begab ich mich also in ein System im Korvax-Territorium und hoffte, dort einen Wissenschaftler für mein Projekt gewinnen zu können.

    Ich hatte Glück, denn auf der Raumstation stieß ich auf eine Entität, die Interesse zeigte an dieser Herausforderung. Schnell wurde ich in Fragen des Arbeitsvertrages mit ihm einig und wir reisten zusammen zurück nach 'Ucuse Xino'. Der Name dieser Entität war kaum zu verstehen und noch weniger für mich auszusprechen. Aber wir würden vermutlich eine geraume Zeit eng zusammen arbeiten und da musste ich ihn doch irgendwie ansprechen können. Also nannte ich ihn 'Data'. Ein wenig albern, ich weiß. Aber der Korvax hatte nichts dagegen und so blieb es dabei.


    In meinem Labor kam 'Data' sofort zur Sache. Smalltalk gibt es bei den Korvax wohl nicht. Ich fand mich schnell in einer Grundlagendiskussion wieder, die mir auch zeigte, wie unterschiedlich unser Verstand funktionierte.



    Mein Ziel war es ja, der KI meines Schiffes eine Körperlichkeit zu geben, sie aber nicht einfach in einen festen Körper zu transferieren (ähnlich einer Korvax-Hülle, die von schon mal wechselnden

    Entitäten ausgefüllt werden konnte). Besäße Milly quasi dauerhaft einen festen Körper, wäre das bei unseren Reisen in einem kleinen Jäger eher hinderlich.

    Mir schwebte da mehr eine holografische Manifestation vor, die aber dennoch eine feste Form besitzen sollte, um auch physisch auf ihre Umgebung einwirken zu können (z. B. ein Glas Rotwein zu halten :-) ). Diese holografische Form könnte Milly dann, wenn gewünscht, außerhalb des Schiffes annehmen. Ich war fest davon überzeugt, dass eine solche Möglichkeit die Verbindung zwischen der KI meines Schiffes und mir noch optimieren würde.

    Schon jetzt hatte Milly eine eigene Persönlichkeit, die sie manchmal fast menschlich wirken ließ. Hm...schlecht beschrieben. 'Data' hätte das, was ich meinte, sicher viel besser erklären können.

    Jedenfalls schien es mir nur fair, der 'Entität Milly' eine größere Bewegungsmöglichkeit zu geben.

    Millys Persönlichkeit brachte aktuell aber noch ein anderes Problem mit sich. Ich wollte nicht vorschnell (möglicherweise falsche) Erwartungen in ihr wecken, denn ich konnte ja nicht wissen, ob die Forschung an diesem Projekt erfolgreich sein würde. Natürlich, irgendwann wäre der Punkt erreicht, an dem es ohne ihre Mithilfe ja nicht mehr weitergehen würde. Aber die ersten Schritte würde ich doch gerne ohne ihre Beteiligung machen.

    Ich konnte meinen Anzug auf 'Privatmodus' schalten. Das heißt, sie würde noch das Gesundheitsmonitoring durchführen können, aber ansonsten würden alle audio-visuellen Systeme vor ihr abgeschirmt. Das würde sie natürlich registrieren und es würde sie, auf ihre Weise, wohl nicht begeistern. Eine eingeschnappte KI...das würde ich zu spüren kriegen -seufz-.

    Aber da musste ich wohl durch.

  • Das Projekt – Teil 2


    Tagelang arbeiteten 'Data' und ich nun schon konzentriert an dem Projekt.

    Schnell war mir klar geworden, dass der Korvax in einer ganz anderen Liga als ich agierte. Er hatte seinen eigenen Bereich im Labor und ich gestehe, ich habe keine Ahnung, was sich da auf seinen Bildschirmen abspielte.



    Dennoch, selbst für 'Data' war das Ganze eine große Herausforderung (was in mir auch ein kleines Gefühl der Befriedigung aufkommen ließ ;) ). Zwischendurch gab es immer wieder Arbeitspausen, in denen wir unsere Erkenntnisse austauschten und weiteres Vorgehen besprachen. Oft gingen diese Diskussionen bis in den späten Abend hinein.



    Anders als bei dem Korvax wurden meine Arbeitsphasen aber noch aus anderen Gründen unterbrochen. Meine im Vergleich schwache Biologie brauchte Zeiten der Ruhe. Auch war ich abhängig von Nahrungsaufnahme, um in meinem Körper das benötigte Energielevel zu halten.

    So suchte ich zwischendurch den Aufenthaltsbereich auf, um mir am Nahrungsreplikator den einen oder anderen Happen zusammenzustellen. Ich saß dann mit meinem Essen in einer der Sitzecken und dachte schon mal daran wie es wäre, wenn ich die Gesellschaft von Milly hätte.


       

    Ach ja, Milly...

    Natürlich hatte sie bemerkt, dass ich sie ausgeschlossen hatte und natürlich war sie 'not amused'.

    Vordergründig war alles ok und sie versah ihre Funktion als KI meines Schiffes tadellos, aber auf subtile Art und Weise ließ sie mich ihren Ärger spüren. Sie besprach mit mir alles Nötige, aber auch nicht mehr. Anders ausgedrückt, sie gab sich äußerst einsilbig. Es war vermutlich Einbildung, aber ich meinte, dass sogar ihre Stimme nicht mehr ganz so warm und etwas spröder klang.

    Hatte ich schon einmal erwähnt, dass meine Schiffs-KI mehr für mich war, als ein Bordcomputer? Sie war für mich eine Vertraute und ich fühlte mich mies. Ich konnte nur hoffen, dass 'Data' und mir ein baldiger Durchbruch gelang, damit ich endlich die Geheimniskrämerei beenden konnte. Vielleicht würde sie meinen Grund dafür verstehen und meine Entschuldigung akzeptieren. Die Alternative wäre, sie zu früh einzuweihen und und vielleicht zu enttäuschen. Wer weiß, welche Schäden das in ihr bewirken würde. Ich war nicht bereit, dieses Risiko einzugehen.

  • Das Projekt – Teil 3


    Insgesamt waren es nun schon mehrere Wochen, in denen 'Data' und ich forschten, Teilergebnisse korrigierten, Ansätze verwarfen und neue suchten. Doch nun, endlich, sah es so aus, als sei uns DER Durchbruch gelungen.



    Dennoch lag noch viel Arbeit vor uns. Wir hatten zwar den Weg vor Augen, aber das Ziel war noch nicht erreicht.

    Unser Durchbruch brachte mir ein weiteres Highlight: Ich konnte meine Bedenken fallen lassen und endlich Milly mit in's Boot holen. Dieser Moment hätte mir die pure Erleichterung bringen sollen, aber erwies sich als Quell neuer Sorge und Ungewissheit. Würde Milly mich verstehen und die Beweggründe für ihren Ausschluss akzeptieren? Ich hob den Privatmodus meines Anzugs auf und holte tief Luft:

    „Milly?“

    „Ja.“

    Ich erzählte ihr alles über meine Forschung und Absicht und meine Sorge, die dazu geführt hatte, dass ich sie bis zu diesem Punkt im Ungewissen gelassen hatte. Nun aber befände ich mich in einer Phase der Entwicklung, die ein Erreichen des Ziels, ihr eine gewisse physische Präsenz zu geben, wirklich möglich werden ließe. Weitere Heimlichkeiten zu ihrem Schutz seien also nicht mehr nötig.

    Zwei kurze Sekunden lang schwieg Milly. Zwei kurze Sekunden, das war für einen Menschen nicht viel, aber für eine KI bedeutete das eine enorme Zeitspanne. Millionen Berechnungen und Bewertungen zuckten in Form elektrischer Impulse in diesem kurzen Moment durch das künstliche Gehirn des roten Milan.

    „Ich verstehe deine Sorge und akzeptiere die Gründe“, antwortete Milly und ich glaubte wirklich, dass ihre Stimme wieder wärmer klang. „Du bist ein Mensch und deinem Verstand ist es nicht möglich, meinen Intellekt zu erfassen und zu bewerten. Also konntest du nicht erkennen, wie unnötig deine Bedenken waren.“

    Ich fühlte mich klein und unreif. Vermutlich hätte 'Data' Milly viel besser verstanden und wäre ihr auf 'Augenhöhe' begegnet.

    „Aber ich finde es schön, dass du dich um mich sorgst“, fügte Milly hinzu. „Wie geht es nun weiter in deinem Projekt?“

    - KRAWUMM -

    Hat jeder gehört, welcher Stein mir gerade vom Herzen fiel?


    „Also, wir haben eine, momentan noch theoretische, Möglichkeit gefunden ein Hologramm zu schaffen, das du außerhalb des Schiffs als Interface benutzen kannst und das physisch mit der Umwelt interagieren kann. Ich habe für das Hologramm auch schon eine Gestaltungsform entworfen. Aber die kann ich natürlich ändern, wenn dir eine andere Form besser geeignet erscheint.“



    „Ich erkenne, dass du eine humanoide Form gewählt hast, deren Präsenz du als angenehm empfinden würdest. Das ist ok für mich. Wie willst du mich mit dem Interface verbinden?“


    Das war wohl die Stelle, an der 'Data' mit ins Gespräch einbezogen werden sollte. Ich schaltete das Intercom auf den Außenbereich, so dass der Korvax sich nun ebenfalls mit Milly austauschen konnte. Nicht länger an die mühsame und langsame Form der Kommunikation mit einem Menschen gebunden waren der Android und die Schiffs-KI bald vertieft in ein Gespräch, dem ich nicht wirklich folgen konnte. Aber ich fühlte mich nicht ausgeschlossen, denn mir war klar, dass diese Unterhaltung auf einem anderen Niveau stattfinden musste, um uns in unserem Projekt voran zu bringen.

    Einmal editiert, zuletzt von Berenth ()

  • Milly


    Was soll ich sagen? Wir hatten es vollbracht!

    Heute hatten wir die Tests unter Laborbedingungen abgeschlossen und Milly sollte ihre neue Erscheinungsform erstmalig außerhalb der Station präsentieren. Wir hatten den Holo-Projektor auf dem Schiff installiert und ihn mit dem Bordteleporter gekoppelt. So war Milly in der Lage, sich außerhalb des Jägers und auch in größerer Entfernung zu ihm zu manifestieren.

    'Data' und ich gingen raus zum Landefeld, neugierig darauf, die Schiffs-KI in ihrer neuen Gestalt zu sehen. Zumindest ich war schon neugierig. Mir war nicht klar, ob der Korvax überhaupt zu einer Empfindung wie Neugier fähig war.



    Sieht doch cool aus, mein roter Milan. Egal, ob als Schiff oder dessen Avatar :).

    'Data' schien ebenfalls zufrieden zu sein, denn er gab keine kritischen Kommentare ab.

    Zu dritt gingen wir zurück zur Station und in die Lounge. Ein gemeinsames Anstoßen auf den Erfolg konnte ich aber vergessen. Ein wenig frustrierend war das schon, aber der Einzige, der die Funktion des Replikators zu schätzen wusste, war ich. 'Data' und Milly waren auf feste und flüssige Nahrungsaufnahme nicht angewiesen und hatten daher keinen Sinn für damit verbundene Rituale.

    Aber auf solche Rituale kam es ja auch nicht an. Wir hatten zusammen etwas erreicht und das war es, das zählte und uns verband.



    Jede Feier hat einmal ihr Ende und so hieß es dann auch irgendwann Abschied nehmen. Ich hatte 'Data' wie vereinbart für seine Hilfe entlohnt und ihm noch ein Korvax-Gehäuse zum Geschenk gemacht. In den langen Wochen enger Zusammenarbeit hatte ich fast freundschaftliche Gefühle für ihn entwickelt. Keine Ahnung, ob das nur einseitig war und was hinter der Sichtscheibe seines Helmes vor sich ging. Beim Abschied zeigte er sich jedenfalls wenig emotional.

    Unsere gemeinsamen Erfahrungen und das erworbene Wissen waren sicher längst in das kollektive Bewußtsein der Korvax eingegangen. Vermutlich würden wir uns nie wieder sehen und selbst wenn, würde ich ihn wohl nicht erkennen.

    Nachdem 'Data' mit einem kurzen Winken im wirbelnden Feld des Basis-Terminus verschwunden war überlegte ich kurz.

    „Milly, wir könnten unseren Urlaub in Agade noch ein wenig fortsetzen, bevor wir zu einer neuen Reise starten. Was meinst du?“

    „Das klingt gut“, lächelte Milly (sie lächelte - wow...!), „du hast es dir auch verdient.“


    Unser Ferienhaus war nur einen Schritt durch den Teleporter entfernt. Nichts wie los!



    Zurück auf meinem Freisitz in der untergehenden Sonne materialisierte sich Milly direkt neben mich.

    Ich musste mich erst mal an ihre Präsenz gewöhnen. Die Verbindung zu meiner Schiffs-KI war anders, neu und absolut schön. Gewöhnungsbedürftig war auch, dass Milly keine Schutzkleidung wie ich benötigte. Als Hologramm machten ihr jegliche Umwelteinflüsse oder lebensfeindliche Atmosphären nichts aus. Sie musste nicht einmal irgendwelche feindlichen Lebensformen oder gar die 'Wächter' fürchten. Beneidenswert!


    Zukünftige planetare Erkundungen würden sich auf jeden Fall interessanter gestalten. Ich freute mich schon darauf!