Die Suche - The Search

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  • Atlas-Systemüberwachung wird initialisiert. Lebenserhaltungssysteme: online. Schildkinetiksysteme: online. Scanner: offline, Reparatur erforderlich.

    Wetterupdate: Sturm zieht auf.“


    Mein Kopf brummt. Ich höre diese metallische Stimme in meinem Ohr und habe keine Ahnung, woher sie kommt. Mir ist leicht schwindelig und ich schwanke ein wenig, als ich versuche, mich auf zu richten.

    Wo bin ich überhaupt?

    Als ich versuche, meine Augen zu öffnen, ist alles so wahnsinnig hell. Es fühlt sich an, als würde ich geblendet und hätte noch nie in meinem Leben Tageslicht gesehen. Ich blinzle, um die Helligkeit zu vertreiben und blicke um mich herum. Hinter mir steht ein kleines Schiff, das Funken sprüht. Fracht liegt auf dem Boden verteilt, ebenso wie unzählige Trümmer. Ist das mein Schiff? Wie bin ich überhaupt hierher gekommen?


    Nachdenklich reibe ich mir die Stirn. So wirklich kann ich keinen klaren Gedanken fassen. Aber da diese metallische Stimme mir sagt, dass ein Sturm aufzieht, ziehe ich mich erst ein Mal ins Schiff zurück, in der Hoffnung, ein wenig Schutz in diesem Wrack zu finden.

    Das verglaste Cockpit öffnet sich selbstständig, als ich mich nähere. So, als würde mich dieses Schiff erkennen. Dabei habe ich keine Ahnung, woher dieses Schiff kommt und wer der Eigentümer ist. Und gleichzeitig wirkt es so vertraut. Ohne nachzudenken, umgreifen meine Hände automatisch die Steuerknüppel, als hätte ich das schon tausende Male getan. Ich weiß, welche Funktion jeder einzelne Knopf erfüllt. Aber woher?


    Ich lege meinen Helm ab und schüttele den Kopf, als würde es mir helfen, die Fragen aus meinem Kopf zu vertreiben. Im Moment ist die einzig logische Erklärung, dass mir dieser kleine rote Jäger gehört. Offensichtlich bin ich abgestürzt und habe durch den Aufprall mein Gedächtnis verloren.

    „Ja, so wird es sein“, sage ich leise und nicke.

    Draußen wütet ein heftiges Unwetter. Blitze erhellen den sonst dunklen Himmel. Ein furchteinflößendes Schauspiel, das gleichzeitig eine faszinierende Schönheit besitzt. Und während das Schiff vom Sturm ein wenig durchgeschüttelt wird, lehne ich mich zurück und atme tief durch. Hier scheine ich sicher zu sein.


    Ich sollte mir überlegen, was ich nun tue. Anscheinend ist mein Schiff beschädigt und nicht flugtauglich. Mein Anzug, der hoch technisiert zu sein scheint, ist augenscheinlich auch nicht voll funktionsfähig. Ich habe keine Ahnung wo ich bin, was mir passiert ist und...

    Ich halte inne.

    Wer bin ich eigentlich? Mir fällt auf, dass ich auch diese Frage nicht beantworten kann. Vorsichtig ziehe ich meine Handschuhe aus, um mir meine Hände an zu sehen. 5 Finger, an jeder Hand. Meine Haut ist weiß, gesprenkelt, fast durchsichtig. Feine, dunkelblaue Adern ziehen sich wie weit verzweigte Straßen über meine Handrücken. Vergeblich versuche ich, mein Spiegelbild in der Frontscheibe zu erkennen.

    Gibt es wohl noch mehr wie mich? Ist das hier mein Heimatort? Aber wenn das so ist, warum bin ich dann alleine?


    Das rhythmische Geplärre der Gefahrenanzeige holt mich aus meinen Gedanken zurück. Bevor ich irgendeine Frage beantworten kann, sollte ich erst versuchen, die Systeme zu reparieren. Denn irgendwie zieht es mich hinauf zu Sternen. Keine Ahnung, wieso. Ich weiß nur, dass alles in mir danach schreit, diesen unendlich weiten Himmel zu erkunden und irgendwo da draußen Antworten zu finden.

    Der Sturm klart auf und ich atme tief durch. Mein Gefühl sagt mir, dass mich ein Abenteuer erwartet. Gefahren auf mich lauern. Aber wenn ich mein eigenes Überleben sichern will, muss ich da raus. Also setze ich meinen Helm wieder auf und steige aus. Der Boden unter mir ist staubig und weit entfernt sehe ich, wie sich noch vereinzelt Blitze über der weiten Felslandschaft entladen. Aber mein Entschluss steht fest: ich werde herausfinden wer ich bin und was geschehen ist. Koste es, was es wolle.

  • Mittlerweile sind ein paar Stunden vergangen. Zumindest kommt es mir so vor. Mein Zeitgefühl scheint zusammen mit meinem Gedächtnis verloren gegangen zu sein.

    Ich laufe durch die felsige Landschaft und versinke dabei in meinen Gedanken. Irgendwie ergibt das alles keinen Sinn. Und je mehr ich versuche, logische Schlussfolgerungen zu ziehen, desto mehr Fragen tauchen auf. Wenn ich abgestürzt bin, wer oder was hat diesen Absturz denn dann verursacht? An meinem Schiff konnte ich keine Einschlusslöcher erkennen oder irgendetwas, was auf einen Kampf hingedeutet hätte. Dieses kleine, rote Raumschiff sah aus, als hätte es gerade das Werk verlassen. Trotzdem muss ich es reparieren. Auch an mir sind keinerlei Wunden. Ich bin körperlich unversehrt, dennoch sind meine Anzugsysteme beschädigt. Was in aller Welt ist also passiert?


    Ein unheilvolles Surren lässt mich aufschrecken. An sich ist dieses Geräusch nicht laut oder bedrohlich. Es klingt wie eine Maschine, die nur ihre Arbeit tut. Trotzdem reagiert mein Körper ganz anders als mein Verstand.

    Als ich mich umdrehe, sehe ich ein kleines, fliegendes… Ich weiß nicht mal genau, was es ist. Es ist rot und wirkt, als würde es etwas überwachen. Mein Herz beginnt zu rasen. Es sieht so harmlos aus, aber in mir steigt Panik auf. „Wächter“, murmle ich vor mich hin und frage mich, warum ich das sage.


    Anscheinend hat dieser kleine Wächter meine Stimme vernommen und fliegt nun auf mich zu. Mir kommt es so vor, als würde er mich mit seinem großen, roten Auge ansehen. Als wäre er nur eine Drone eines viel größeren Wesens. Als wäre er ein Fernrohr einer Person, die Kontrolle ausübt. Ich kann nicht ein Mal erklären, wieso es mir so vorkommt. Jedenfalls scheint dieser Wächter meine Anwesenheit nicht zu schätzen.

    Sein Blick scheint düsterer zu werden und das Geräusch, dass er nun von sich gibt, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Noch ehe ich irgendetwas sagen kann, werde ich beschossen. Erst gehen die Geschosse an mir vorbei, doch dann trifft mich der Wächter an meinem rechten Arm. Ich beginne zu rennen. Ich renne, so weit mich meine Beine tragen. Meine Lungen beginnen zu brennen, weil ich vor Panik nicht richtig Luft holen kann und ich spüre, wie mich meine fehlende Ausdauer in die Knie zwingt. Ich drehe mich, um zu sehen ob mich der Wächter weiter verfolgt und bemerke dabei nicht, wie ich über einen Felsen stolpere. Kopfüber falle ich nicht nur hin, sondern auch in eine Höhle. Der Aufprall ist hart.


    Nach einem tiefem Atemzug, horche ich nach. Kein Surren mehr. Stille. Man hört nur vereinzelte Tropfen, die von Stalaktiten herabtropfen.

    Immerhin habe ich jetzt die Möglichkeit zu verschnaufen. Erst jetzt bemerke ich, wie groß meine Schmerzen eigentlich sind. Meine Wunde blutet und beim Sturz in die Höhle muss ich mir mein Handgelenk verstaucht haben. Und jetzt?

    Mein Schiff ist kaputt, ebenso mein Exo-Anzug. Ich habe eine blutende Wunde, ein schmerzendes Handgelenk und muss zusehen, wie ich an Material komme um alles reparieren zu können. Und das am besten, ohne noch ein Mal auf Wächter zu treffen.


    Ich ziehe meine Knie an die Brust und lege mein Kinn darauf ab. Eine heiße Träne läuft mir über die Wange. Ich kann versuchen, so zu stark zu sein, wie es nur geht. Aber um ehrlich zu sein, bin ich verängstigt und verwirrt. Ich weiß nicht was passiert ist, ich weiß nicht wo ich bin, ich scheine an einem Ort zu sein, an dem man mir an den Kragen will und zu allem Überfluss kann ich nicht mal sagen wie ich heiße, oder wo ich herkomme. Am liebsten würde ich aufgeben. Einfach hier in der Hocke verbleiben, die Augen zu machen und darauf warten, dass sich meine Probleme von alleine lösen.


    Nach einiger Zeit schüttele ich den Kopf. Mein Puls hat sich glücklicherweise wieder beruhigt und es fällt mir leichter, wieder klar zu denken. „Aufgeben ist für Schwächlinge“, sage ich mir selbst und richte mich auf. „Erst Mal werde ich mich verarzten und dann sehen wir weiter.“

    Ich kann vom Saum meiner Hose einen Streifen abreißen und damit meine Schusswunde stramm verbinden. Das Handgelenk muss sich so wieder erholen. Aber um mich und meine Nerven zu schonen, werde ich vielleicht lieber vorerst im Schutz der Höhle verbleiben und hier versuchen, Rohstoffe zu sammeln.

  • „Schwächling ist vielleicht das falsche Wort“, sage ich und laufe mit gezückter Waffe durch die Höhle. Seit dem Wächter bin ich lieber darauf vorbereitet, mich selbst verteidigen zu müssen. Innerhalb eines Tages bin ich zwischen purer Entschlossenheit und tiefer Depression geschwankt. Ein wenig ärgere ich mich deshalb über mich selbst. Auch wenn meine Gefühle wahrscheinlich nachvollziehbar waren, sind solche Stimmungsschwankungen alles andere als hilfreich. „Hilft ja nix. Ich muss jetzt einfach die Zähne zusammenbeißen“, antworte ich mir selbst auf meine Gedanken.


    Diese Höhle, in die ich gefallen war, beeindruckt mich. Leuchtende Höhlenkürbisse säumen den Boden, auf dem ich laufe. Stalaktiten hängen von den Decken und tröpfeln in einem eigentümlichen Rhythmus. Zu gerne hätte ich diesen Anblick einfach nur genossen, aber dafür fehlt mir gerade die Ruhe. Je tiefer ich allerdings in die Höhle eindringe, desto mehr nehme ich einen süßlichen Geruch war. Ich kann nicht genau identifizieren, wonach es riecht. Ich weiß nur, dass der Duft stärker wird, je weiter ich laufe. Das ist schon eigenartig. Schließlich sollte man annehmen, dass es in einer Höhle eher muffig riecht, nach Feuchtigkeit und Erde. Stattdessen riecht es so angenehm, dass diese Höhle mir fast schon gemütlich und heimelig vorkommt. Dass ich hier und da mit meinem Minenlaser Rohstoffe abbaue, passt da kaum noch ins Bild.


    Ein schnatterndes Geräusch lässt mich allerdings aufhorchen. Ich stehe vor einer Lichtung und sehe mich um. Und ich weiß nicht so recht, ob ich halluziniere, aber in einiger Entfernung meine ich ein zweibeiniges Wesen erkennen zu können, das Kürbisse sammelt. Der Geruch ist nun beinahe nicht mehr zu ertragen und benebelt meine Sinne. „Ist da jemand“, rufe ich und das Wesen dreht sich zu mir um.

    „Eh, Einsiedler-Gek will in Ruhe gelassen werden!“

    Ich bin ein wenig verdutzt. „Einsiedler-Gek?“

    „Einsiedler-Gek will niemanden sehen. Geh weg!“

    Der Geruch, der vorher süß war, verändert sich urplötzlich in fauligen Gestank. Ich muss dagegen ankämpfen, dass nicht mein Brechreiz ausgelöst wird. Ich halte meine Waffe in Stellung und gehe vorsichtig auf das Wesen zu. Auch wenn der Gestank mir sagt, dass ich fern bleiben sollte: Meine Neugier ist stärker. „Ich tue Ihnen nichts, ich brauche nur Rohstoffe!“

    „Dann sollte Reisender-Freund aufhören, seine Waffe auf Gek zu zielen! Einsiedler-Gek will nur seine Ruhe!“


    Je näher ich dem Wesen komme, desto klarer kann ich es erkennen. Es wirkt wie ein aufrecht gehendes Reptil, ziemlich untersetzt und mit einem kleinen Schnabel. Sein Äußeres scheint alles andere als bedrohlich. Im Gegenteil. Irgendwie wirkt dieser „Einsiedler-Gek“ beinahe putzig. Ich muss schmunzeln und stecke meine Waffe weg. Das scheint ihn zu beruhigen. „Was macht Reisender-Freund in dieser Höhle?“ Der Gek legt seinen Kopf schief und beobachtet mich. „Einsiedler-Gek hat schon lange keinen Reisenden-Freund mehr gesehen.“

    Ich bin mir nicht sicher, was genau er mit „Reisenden“ meint. Jemanden, der zu Besuch vorbei kommt? Der Gek scheint meinen fragenden Gesichtsausdruck zu erkennen. „Reisender-Freund ist gerade erst aufgewacht, nicht wahr? Das tun sie immer. Aber keine Sorge. Einsiedler-Gek tut dir nichts.“

    Woher weiß dieses kleine Wesen, dass ich „gerade erst aufgewacht“ bin? Ich will zu einer Frage ansetzen, als der Gek abwinkt und aufgeregt schnattert. „Nein, nein. Reisender-Freund sollte sich jetzt keine Sorgen machen. Reisender-Freund ist bestimmt hungrig. Einsiedler-Gek wollte Ruhe, aber Reisenden-Freunde muss man unterstützen.“ Der kleine Kerl greift nach meinem gesunden Arm und zieht mich mit sich. „Einsiedler-Gek kümmert sich um deine Wunde. Keine Sorge! Keine Sorge!“ Mit vielen kleinen Schritten geht mir der Gek voraus, ohne meinen Ärmel los zu lassen. Ich habe gar keine andere Wahl als mit zu gehen.


    Nicht weit entfernt scheint der Gek sein Zuhause eingerichtet zu haben. Er muss sich vor langer Zeit Räume in die Felswände gehauen haben, denn rund um einen kleinen Platz herum, auf dem ein Kochtopf auf einem Lagerfeuer steht, gibt es mehrere Eingänge. Überall hängen drapierte Stoffbahnen, kleine Teppiche liegen verstreut auf dem Boden. Er hat es sich hier gemütlich gemacht. Der Gek deutet mir, mich auf einen Stein zu setzen und begutachtet meine Schusswunde. Er beginnt verärgert zu schnattern und schüttelt den Kopf. „Einsiedler-Gek kennt solche Wunden. Tausendfach gesehen. Tausendfach gesehen.“ Aus einem der Räume holt er tippelnd ein kleines Fläschen und träufelt eine unbekannte Flüssigkeit direkt in das Einschussloch. Ich zische hörbar nach Luft. Denn was auch immer er da in meine Wunde kippt – es brennt höllisch. „Ja ja, keine Sorge. Schmerz ist nur kurz“, schnattert der Gek und täschelt meine Schulter. „Wächter mögen Reisenden-Freunde nicht. Einsiedler-Gek weiß das. Tausendfach gesehen.“ Er seufzt und bringt kopfschüttelnd sein Fläschchen weg.


    Für einen Moment sitze ich auf diesem Stein und frage mich ernsthaft, was hier eigentlich gerade passiert. Irgendwie wirkt alles ein wenig surreal. Ich habe keine Ahnung wer dieses Wesen ist, woher es die Wächter kennt und warum es anscheinend so viel über mich weiß. Aber auf meiner Suche nach Antworten, scheine ich hier per Zufall an die richtige Adresse geraten zu sein. Dieser Gek weiß definitiv mehr als ich.

  • Ich stochere leicht angeekelt in einer Holzschüssel herum, deren Inhalt der Gek „Parasiten-Omelett mit Kürbis“ nennt. Ich will nicht wirklich wissen, wieso Parasiten verarbeitet wurden und woher dieser Gek selbige genommen hat. Trotzdem ist es sehr nett, dass er für mich sorgt. Aus Dankbarkeit probiere ich sein Gericht und versuche mein Ekelgefühl zu verbergen, als etwas Glibberiges in meinem Mund beim Draufbeißen aufplatzt. „Reisender-Freund mag Gek-Gericht, ja?“ Der Gek schnattert fröhlich und schlürft einen Wurm in sich hinein. „Mhm“, nicke ich mit falschem Lächeln und versuche herunter zu schlucken, was sich in meinem Mund befindet. In meinem Kopf rasen Gedanken darüber, wie ich den Rest in meiner Schüssel unauffällig verschwinden lassen kann.

    „Einsiedler-Gek weiß, dass Reisender-Freund Fragen hat“, sagt das kleine, untersetzte Wesen und schaufelt sich den Rest seines Omeletts in den Mund.

    Ich nicke. „Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen sollte.“

    „Am Anfang“, lacht der Gek und steht auf, um seine Schüssel weg zu bringen. Ich nutze die Gelegenheit, um meine Portion aus purer Verzweiflung in meiner Hosentasche zu verstauen. Es ist definitiv eklig, es in meine Tasche zu kippen. Noch ekliger wäre es allerdings, auf noch mehr explodierende Krabbeltiere zu beißen. Ich muss mir jetzt nur noch überlegen, wie ich meine Tasche wieder sauber bekomme. Ich könnte schwören, dass sich die verarbeiteten Parasiten noch in meiner Tasche bewegen. Als der Gek wieder kommt, freut er sich über meine leere Schüssel, während ich angestrengt versuche, mein bestes Poker-Face auf zu setzen.


    „Reisender-Freund ist kein Einzelfall.“ Seine Miene wird ernst, als er sich wieder dem Thema zuwendet. „Tausendfach gesehen.“

    „Was meinst du damit?“ Ich werde hellhörig. Was mir passiert ist also schon oft vorgekommen?

    „Seit unzähligen Zyklen tauchen Reisenden-Freunde auf. Zufällig. Überall. Gek-Vorfahren schrieben auf, man müsse Reisenden-Freunde helfen. Sind wichtig für Gleichgewicht der Welten. Reisenden-Freunde brauchen Unterstützung. Unterstützung, jaja.“ Er schnattert und nickt mit dem Kopf um seine Aussage zu bekräftigen. Der Geruch, den er ausstößt, wird noch süßer als vorher. Wahrscheinlich, um sich selbst zu beruhigen. Mir wird davon fast übel. „Aber was bedeutet es, ein Reisender zu sein? Warum nennst du mich so? Woher weißt du, dass ich dazugehöre?“

    Der Gek legt seinen Kopf schief und scheint zu überlegen, was er mir antworten soll. Dann steht er auf, nimm eine Metallschüssel und hält sie mir hin. Zum ersten Mal sehe ich mein Spiegelbild. „Sieht Reisender-Freund es?“ „Ich sehe dass...“, sage ich und halte kurz inne. „Ich sehe anders aus als du.“ Mein Kopf ist breiter, auch habe ich keinen Schnabel wie der Gek, sondern nur zwei Löcher zum Atmen. Das Spiegebild ist durch die Wölbung verzehrt, aber ich sehe, dass ich anscheinend einer anderen Rasse entstamme. Gibt es vielleicht noch mehr wie mich?

    „Reisenden-Freunde sind nicht wie Gek. Nicht wie Vykeen-Krieger. Nicht wie Korvax-Feinde. Sind Anomalie im Universum. Keiner weiß, woher Reisenden-Freunde kommen. Aber Gek-Älteste sagen, Reisenden-Freund seien wichtig. Also helfen wir.“

    Ich werde traurig. Wenn keiner weiß, woher ich komme und ich anscheinend anders bin, als jedes andere Wesen in diesem Universum – dann führe ich ein sehr einsames Dasein. Ich lasse meinen Kopf sinken und atme tief durch. Das war nicht das, was ich mir zu hören gewünscht hätte. Ohne Umschweife führt der Gek aber seine Erklärung fort: „Jedes Volk nennt Reisenden-Freunde so. Können sich gegenseitig nicht leiden, aber das ist Gemeinsamkeit. Seit tausenden von Zyklen herrscht Krieg. Aber Reisenden-Freunde führen zusammen. Deshalb muss man auf sie aufpassen.“

    Mir gefällt das nicht. „Ich weiß nicht ein Mal wer ich bin und soll aber Völker zusammenbringen, über die ich ebenso wenig weiß?“ Ich schüttele verständnislos den Kopf.

    „Reisender-Freund hat eigene Geschichte in der Hand. Kann selbst entscheiden, wer er ist. Was wird. Das ist Vorteil. Gek-Geschichte ist geschrieben. Aber Reisenden-Geschichte beginnt erst.“

    Darüber muss ich nachdenken. Er hat nicht Unrecht. Auch wenn ich jetzt nicht weiß, wer ich bin – es liegt in meiner Macht selbst zu entscheiden, was in der Zukunft aus mir wird. Noch bin ich ein leeres Buch. Vielleicht sollte ich es als Herausforderung ansehen, dieses Buch mit Leben zu füllen.

    Ich seufze und stehe auf. Es zieht mich immer noch hinauf zu den Sternen. Vielleicht sollte ich einfach losziehen und sehen, was passiert. „Danke, Gek-Freund, dass mich versorgt hast“, sage ich und gebe ihm dadurch zu verstehen, dass ich aufbrechen möchte. Seine Ausdrucksweise zu benutzen erscheint mir eine gute Möglichkeit, Respekt zu erweisen. Ich wüsste nicht, wie ich mich sonst erkenntlich zeigen könnte. Der Gek nickt wohlwollend.


    Der Weg zurück zum Raumschiff gibt mir noch ein Mal die Möglichkeit, die Worte des Gek zu überdenken. Und an einer geeigneten Stelle meine Hosentasche zu entleeren.

    Was er sagte, hallt jedenfalls noch in meinem Kopf nach. Das Reisende plötzlich auftauchen. Das keiner weiß, woher sie kommen. Aber dass sie wichtig für das Gleichgewicht der Völker seien. Das klingt nach einer schweren Verantwortung, von der ich nicht weiß, ob ich sie tragen möchte. Ich bin nur eine einzelne Person. Ich kann unmöglich für Völkerverständigung sorgen. Und das will auch eigentlich gar nicht. Dafür habe ich ganz andere Sorgen, die zuerst meine Aufmerksamkeit benötigen. Wie zum Beispiel, mein Schiff zu reparieren. Interessanterweise verstehe ich genau, wie ich es wieder flugfähig bekommen kann. Das ist eine der ersten Sachen, die ich über mich selbst lerne: anscheinend bin ich ein guter Mechaniker.


    Ich will gerade einsteigen, da höre ich ein aufgeregtes Schnattern aus der Ferne. Ich kneife die Augen zusammen und sehe meinen Gek-Freund auf mich zulaufen. Seine kurzen Beine sind nur zu kleinen Schritten fähig und er wirkt, als sei er aus der Puste. Er winkt mir mit beiden Händen zu, als wolle er mich aufhalten. „Warten! Warten!“

    Als er endlich vor mir steht, beugt er sich und stützt sich auf seinen Knien ab. Er hechelt nach Luft. „Reisender-Freund sollte nicht alleine fliegen! Viel zu gefährlich. Viel zu gefährlich.“

    Ich bin mir nicht sicher, ob dieser kleine, untersetze Kerl nicht eher eine Behinderung als eine Hilfe wäre. Er mag lieb sein, aber er wirkt nicht, als ob er für so eine gefährliche Reise ausgerüstet wäre.

    Er holt noch Mal tief Luft und richtet sich auf. „Einsiedler-Gek sollte dich begleiten.“

    Ich will gerade ansetzen, wie freundlich sein Angebot ist, als ich über den Gek hinweg einen Wächter auf uns zukommen sehe. Er muss das Surren der fliegenden Maschine ebenfalls hören. Es scheint ihn aber nicht zu stören. Stattdessen redet er unbehelligt weiter. „Reisender-Freund wird gut daran tun, Einsiedler-Gek mit zu nehmen. Jaja.“ Ohne zu unterbrechen oder sich um zu sehen, zieht der Gek seinen Rucksack nach vorne und holt ein Multitool heraus. „Reisender-Freund sollte wirklich nicht alleine fliegen.“ Ich hebe meinen Finger, weil ich ihn unterbrechen und auf den Wächter deuten möchte, aber der Gek redet einfach weiter. Als der Wächter fast schon neben ihm ist, lädt der Gek sein Multitool und schießt. Der Wächter zerfliegt in 100 Teile und mir steht die Kinnlade offen.

    „Siehst du?“ Fragt er und schnattert kichernd. Ich schließe meinen Mund und schaue wortlos zwischen dem zerstörten Wächter und dem harmlos aussehenden Gek hin und her. Vielleicht sollte ich meine Meinung überdenken.