Milly und ich (5) - Das verschollene Grab

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  • Das verschollene Grab



    Die Kartusche


    Etwas gedankenverloren zerrieb ich ein paar staubige Erdbrocken zwischen den Fingern der behandschuhten Hand meines Raumanzugs, während mein Blick über die karge Hochebene einer trockenen Hügellandschaft wanderte.

    „Was meinst du, Milly? Haben wir den richtigen Planeten gefunden?“

    „Eine 100prozentige Sicherheit haben wir nicht“, antwortete Milly. „Aber die Hinweise auf dieser alten Karte könnten hier zutreffen.“



    Die KI kam zu diesem Schluss nach einer Analyse der uns bereits bekannten Daten und der neuen, auf diesem Planeten gewonnenen. Das Ganze in der Geschwindigkeit eines Wimpernschlags.

    Ich dagegen verspürte auch noch das unbestimmte Gefühl, kurz vor dem Ziel unserer Suche zu stehen, aber Gefühle hatten in Millys Berechnungen keinen Platz. Dennoch sah sie unseren Stand der Forschung ebenso optimistisch, was mir zusätzliche Sicherheit verlieh.


    Aber von Beginn an:

    Auf einer meiner Forschungsreisen begegnete mir im Einflussbereich der Gek in einem planetaren Archiv ein alter Händler und Vertreter dieser Spezies. Wir begutachteten gegenseitig unsere Frachtverzeichnisse und feilschten um den einen oder anderen Artikel. Am Ende waren wir beide zufrieden mit unseren Geschäften und den erzielten Abschlüssen. Bevor wir uns aber wieder trennten senkte der Gek die Stimme und geheimnisvoll bot er mir noch ein besonderes Artefakt an. Es handelte ich um eine uralte Kartusche, die Hinweise auf die verschollene Grabstätte eines der großen Anführer der Gek enthalten sollte.

    Ich war mir nicht sicher, ob der Gek mir hier wirklich einen alten Schatz anbot oder er mich einfach nur zu einem Kauf verleiten und mir weitere Units aus der Tasche ziehen wollte. Mein Mißtrauen wuchs, als die Sensoren meines Anzugs eine Wolke psychedlisch wirkender Duftstoffe, die der Händler aussandte, erkannte und durch das eingebaute Filtersystem neutralisierte. Dennoch betrachtete ich die Kartusche genauer und gab Milly so Gelegenheit sie zu scannen.

    „Die Kartusche und deren Inhalt sind echt und mindestens 1000 Jahre alt“, hörte ich Millys Stimme an meinem Ohr.

    Ob der Gek überhaupt wusste, was er da anbot? Ich bezweifelte es, denn wieso sollte er ein so wertvolles Artefakt seiner Rasse sonst einem Vertreter einer völlig fremden Spezies zum Kauf anbieten? Vermutlich erkannte der Alte gar nicht, welchen wertvollen Fund er da einem fremden Reisenden für ein Häufchen Units verkaufen wollte.

    Ich zögerte noch ein wenig und nur, um den Gek in Sicherheit zu wiegen. Eine zu schnelle Entscheidung, das Zeigen zu großen Interesses hätte den Händler vielleicht zu eine höheren Preisforderung bewegen können. Wäre mein Zögern dagegen zu lang, lief ich in Gefahr, dass der Gek sein Angebot zurück nahm.

    Ich willigte schließlich in den Handel ein und überschrieb ihm einige zehntausend Units. Im Gegenzug übergab mir der Gek die Kartusche. Letztlich waren wir beide zufrieden.

    Zurück in meinem Schiff betrachtete ich meinen kostbaren Erwerb genauer. Ich hielt eine reich mit Gek-Symbolen verzierte Kapsel in den Händen. Sie war leicht, aus einem wohl metallischen und, angesichts ihres Alters, sehr widerstandsfähigen Material. An einer Seite befand sich ein Verschluss, der sich durch eine halbe Drehung gegen den Uhrzeigersinn öffnen ließ. Vorsichtig entnahm ich dem Behälter eine Art Schriftrolle. Sie erinnerte mich an die Pergamentrollen aus der frühen Geschichte Terras. Allerdings war dies hier kein Pergament, sondern ein mir völlig unbekanntes Material. Es fühlte sich glatt, fast seidig an und schien genauso widerstandsfähig zu sein, wie die Kapsel. Beide machten nicht den Eindruck, als existierten sie seit 10 Jahrhunderten. Vielleicht war dies auch ein Grund dafür, dass der Gek das wahre Alter und den Wert dieses Artefakts nicht erkannt hatte.

    Vorsichtig und beinahe ehrfürchtig entrollte ich das Dokument. Auf dem blassgrünen Material

    der Rolle stand in einer braunroten Farbe etwas Text und darunter befanden sich einige Symbolgruppen, die an Koordinaten erinnerten. Der Text war in Alt-Gek verfasst, doch glücklicherweise hatte sich die Schriftsprache dieser Rasse in den letzten Jahrhunderten nur wenig verändert, sodass ich mit etwas Mühe den Inhalt entziffern konnte.



    Bei der Erwähnung von Sriturko rührte sich meine Erinnerung. Ich hatte mich ein wenig mit der alten Geschichte der Gek beschäftigt und dieser wurde dort als einer der ganz großen Führer dieses Volks erwähnt. In der Zeit des Kriegs mit den Korvax hatte er die Gek vor über 1000 Jahren auf einen Weg des Friedens geführt und so vermutlich den Niedergang seiner Rasse verhindert. Er hatte die Früchte seines Wirkens noch erleben können, war aber schließlich, verehrt von der gesamten Rasse, gestorben. Seine Ruhestätte fand er an einem unbekannten Ort, um die Gek den weiteren Weg der Aussöhnung mit den Korvax selbst bestimmen zu lassen. Hätte er nicht so entschieden, wäre wohl sein Geist allgegenwertig bei den Entscheidungen der Gek gewesen und er hatte erkannt, dass der Friedensweg bedeutend tragbarer und erfolgreicher sein würde, wenn seine Rasse ihn aus eigener Kraft gestaltete.

    Er hatte Recht behalten und das Wissen um den Ort seines Grabes war im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Die Authentizität des Inhalts dieser alten Rolle musste dem alte Gek als so unwahrscheinlich erschienen sein, dass er sie mir, im Glauben an eine Fälschung, angeboten hatte.

    Nun, ich sah das optimistischer und wandte mich nun den Symbolgruppen zu von denen ich vermutete, dass es sich um Koordinaten handelte.

    „Milly, kannst du Übereinstimmungen mit Positionen in dieser Galaxie erkennen?“

    In Sekundenschnelle verglich die KI die Symbolgruppen mit allen möglichen Varianten von Konstellationen im riesigen Sternenkatalog ihres Datenspeichers. Ich hoffte inständig, dass es sich um Koordinaten im Euklid handelte, andernfalls wäre ein Auffinden des Ziels nur sehr schwer möglich.

    Erleichtert vernahm ich daher Millys Stimme: „Ich habe einen Treffer mit hoher Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung. Mit 93,6 prozentiger Sicherheit handelt es sich bei dem beschrieben Ziel um das System 'Adihama-Niyck'. Eine gelbe Sonne im Gek-Territorium, die von 5 Planeten umreist wird. Entfernung 10.656 Lichtjahre.“

    Die Entfernung erforderte wohl mehrere Warp-Sprünge.

    „Da müssen wir hin, Milly. Setze bitte den Kurs und dann los.“

    Der kurze Countdown des Antriebs lief auf 0 und ohne Übergang tauchten wir in den Hyperraum ein.


    ...

  • Buja



    Vor uns lag 'Buja'. Wie in der Datenbank verzeichnet einer von 5 Planeten in einem System einer gelben Sonne, das von den Gek dominiert wurde. 691.472 Lichtjahre entfernt vom galaktischen Zentrum.

    Wenn unsere Interpretation der Koordinaten in dem alten Dokument nicht falsch waren, sollte dies die Welt sein, in der Sriturko seine letzte Ruhe gefunden hatte. Doch selbst wenn es sich hier um den richtigen Planeten handelte, würde ohne weitere Hinweise die Bestimmung der exakten Lage der Grabstelle einer Suche nach der (unter Terranern) sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen gleichen.

    „Schauen wir uns die Kugel mal näher an“, meinte ich und Milly berechnete im Bruchteil einer Sekunde den perfekten Eintauchwinkel in die Atmosphäre. Eine schroffe Gebirgslandschaft zeigte sich uns, mit vereinzelten Seen am nebelverhangenen Grund tiefer Einschnitte in die Felsentürme.



    In relativ hoher Geschwindigkeit überflogen wir die Oberfläche. Dabei wurde schnell deutlich, dass es sich hier um einen recht kargen, staubigen Planeten handelte. Wir befanden uns etwa in Höhe des Äquators und bald stellte ich fest, dass die hohen Gebirge nicht überall das Bild des Planeten beherrschten. Es gab auch flachere, niedrigere Strukturen, quasi Mittelgebirge.

    Es war mir völlig unklar, wo ich hier mit der weiteren Suche nach dem verschollenen Grab beginnen sollte. Außerdem musste ich vorsichtig vorgehen, denn ich wollte ja nicht, dass sich das Ziel meiner Suche überall herumsprach. So ein Ruf als Grabjäger verbreitete sich möglicherweise schnell und wäre nicht ganz ungefährlich. Bestenfalls würde man mich als Spinner abtun, schlimmstenfalls als einen neugierigen Fremden ansehen, der beabsichtigte den Frieden des legendären Gek zu stören und seine Ruhestätte zu entweihen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Gek darauf nicht sonderlich tolerant reagieren würden.


    Vielleicht sollte ich bei einem dieser großen Archive (wenn es ein solches hier gab) mit meiner Forschung beginnen. Ich hielt also Ausschau, während wir die relativ triste Landschaft überflogen.

    Endlich, gefühlte Stunden und einige tausend k später ragte eines der riesigen Archive vor uns auf.



    Ich hoffte inständig, dass ich dort neue Hinweise finden würde, neue Brotkrumen auf dem Weg zu dieser vergessenen Grabstätte.

    Milly landete gewohnt sanft auf einem der Landefelder und ich begab mich ohne zu zögern auf die Ebene, auf der in diesen Gebäuden verschiedene Stationen und auch das große Datenarchiv angesiedelt waren.

    Ein etwas militant wirkender Gek fixierte mich interessiert, wandte sich aber kurz darauf wieder den Anzeigen auf seinen Displays zu, deren Inhalt mich ein wenig irritierten. War das hier die Security-Abteilung oder ging da noch was anderes vor?



    Ich wollte keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen und ignorierte diesen Bereich. Ebenso hielt ich es mit dem Gildenvertreter und der Handelsstation. Einzig die Abteilung Kartographie zog mich kurzzeitig an. Schnell musste ich aber feststellen, dass es dort nur um aktuelle Informationen ging. Historisches Kartenmaterial war in den Datenbänken nicht zu finden.

    So konzentrierte ich mich also wieder auf mein ursprüngliches Ziel, den großen Datenspeicher des Archivs.



    Das Schwierige war ja immer, die Fragen so zu stellen, dass der Großrechner, der das Gehirn des Archivs war, die richtigen Antworten bieten konnte. Eine lange Zeit verbrachte ich am Eingabeterminal und formulierte sehr vorsichtig. Ich war mir sicher, dass das Datenarchiv von der Security überwacht wurde und die wollte ich keinesfalls hellhörig werden lassen.

    Am Ende war ich enttäuscht, denn entweder hatte ich die falschen Fragen gestellt oder in diesem Archiv gab es nichts, was mich in dieser speziellen Sache weiter gebracht hätte.

    Unzufrieden verließ ich diesen Bereich und wollte zum Milan zurückkehren, als mir zwei alte Gek auffielen, die in eine angeregtes Diskussion vertieft waren. Aus einigen Gesprächsfetzen, die ich aufschnappte, konnte ich entnehmen, dass die Beiden über historische Verhältnisse dieses Planeten sprachen. Kurz entschlossen sprach ich die Alten an. Ich war ein Reisender, ein Entdecker und so würde es wohl kaum Verdacht erregen, wenn ich mich für diese Welt interessierte. Ich sagte, dass ich unabsichtlich einige Sätze ihrer Unterhaltung mit angehört hätte und bat sie, mein Bild Bujas mit ihrem geschichtlichen Wissen anzureichern.


        


    Die Gek zeigten sich geschmeichelt vom Interesse eines fremden Reisenden an ihrer Kultur und waren sofort bereit, mich auf der Suche nach neuen Erkenntnissen zu unterstützen. Die Beiden erwiesen sich als wahrer Glücksfall für mich. Sie waren echte Buja-Gek und die Wurzeln ihres Nestes reichten zurück bis zu den ersten Siedlern, die die vormals von Intelligenzen unbewohnte Welt bevölkert hatten. Zu der Zeit war dieses Sonnensystem ein einsamer Vorposten der Gek gewesen, weit entfernt vom eigentlichen Einflussbereich dieser Rasse und nur lose verbunden mit deren politischem und wirtschaftlichem Machtzentrum.

    Bei dem Rückblick in die Vergangenheit führte natürlich kein Weg an dem großen Krieg gegen die Korvax vorbei. Auch dieses lange und dunkle Kapitel der Geschichte hatte man hier, im wahrsten Sinne, nur am Rande miterlebt. Unter den Buja-Gek gäbe es einige, die an Geschichten glaubten, dass nach dem Krieg der große Friedensstifter Sriturko hier seinen eigenen Frieden gefunden habe. Das seien natürlich nicht ernst zu nehmende Spinnereien.

    Die Schnäbel der Gek klickten belustigt.

    Ich widersprach ihnen nicht, auch wenn ich diese 'Spinnereien' nicht für ganz so abwegig hielt. Eines war mir klar: Ich musste mit einem solchen 'Gläubigen' reden. Diese beiden Gek besaßen zwar ein enormes Wissen über die Vergangenheit Bujas, da sie jedoch nicht an die Möglichkeit glaubten, dass Sriturko das Ende seines Lebens auf diesem Planeten verbracht haben könnte, waren diesbezüglich keine Hinweise von ihnen erwarten. Aber ich musste behutsam vorgehen. Also ließ ich die Gek reden und hörte ihnen interessiert zu, während sie mir unverkennbar stolz von der Besiedlung und Urbarmachung Bujas erzählten.

    Vielleicht waren die Schilderungen in den Einzelheiten nicht immer ganz korrekt und sicher auch subjektiv eingefärbt. Dennoch war es absolut beeindruckend, welche Entwicklung der Planet unter der relativ kleinen ersten Siedlergruppe genommen hatte. Möglicherweise hatte auch die Ferne zur zentralen Führung in Balaron und den Erstgebrüteten mit dazu beigetragen, dass die Gek auf Buja die Wirren des großen Krieges und des Umbruchs nach dem Niedergang des Gek-Dominion ohne dramatische Einschnitte in ihrer Entwicklung überstehen konnten.

    Die Beiden legten mir noch nahe, alte kulturelle Stätten aufzusuchen, um mehr über die Vorfahren zu erfahren und gaben mir auch die Koordinaten einiger Siedlungen und Handelsposten, um mir vom heutigen Leben auf Buja ein Bild zu machen. Ich bedankte mich herzlich bei ihnen und überreichte ihnen zum Zeichen meines Dankes zum Abschied jeweils ein Gek-Relikt als Geschenk.

    Besonders die Koordinaten der Siedlungen waren mir wertvoll, denn vielleicht konnte ich dort einen dieser 'Spinner' treffen und neue Hinweise für meine Suche finden.

    Nunmehr sehr optimistisch und ohne eine Spur von Enttäuschung verließ ich diese Ebene des Archivs und kehrte zurück zu meinem Schiff.

    Milly war ja ständig mit mir über meinen Helm verbunden und so musste ich ihr nichts berichten.



    Die von den beiden Gek erhaltenen Koordinaten hatte sie ebenfalls gespeichert.

    „Milly, ich denke, wir suchen mal zuerst eine dieser alten Ruinen auf“, entschied ich mich und sofort blinkte ein Wegpunkt auf dem HUD des Cockpits auf. Milly meldete uns bei der Flugkontrolle des Archivs ab und mit fauchenden Startdüsen starteten wir zu unserem nächsten Ziel.


    ...

  • Spurensuche


    Auf einer kleinen, der hügeligen Küste vorgelagerten Insel fand ich die uralte Ruine einer Kultstätte der ersten Buja-Gek. Meistens war trotz des Verfalls solcher Bauwerke die Kommunikationsanlage der Anlagen noch intakt und übermittelten jedem, der es wollte, auf telepathischem Wege ihre Botschaft.



    Hier jedoch hatte der herabgestürzte Kopf einer steinernen Gek-Statue den Kommunikator zerstört. Keine wispernde Stimme drang in mein Gehirn, um Weisheiten zu verkünden.

    „Das war dann wohl nichts“, seufzte ich. „Milly, steht da noch eine andere Ruine auf der Liste?“

    „Ja, von einer weiteren haben wir die Koordinaten.“

    „Ok, dann schauen wir uns die mal an.“

    Der Flug führte uns halb um den Planeten herum und in schroffes Bergland. Auf einer schwer zugänglichen kleinen Ebene entdeckten wir eine weitere Ruine. Doch wir waren wohl vom Pech verfolgt, denn auch bei dieser hatte ein herabgestürzter Steinkopf die Kommunikationsanlage zerstört.

    „Na toll...“, grummelte ich etwas genervt. „Hoffentlich geht das nicht so weiter.“

    „Wohin jetzt?“, meldete sich Milly. „Weitere Ruinen haben wir nicht im Verzeichnis, nur die Lage eines alten Monolithen. Ansonsten einige aktuelle Stationen, eine kleine Siedlung und einen Handelsposten.“


       


    „Der Monolith wird uns wohl momentan nicht weiterhelfen. Den können wir später noch aufsuchen, um den Standort des großen Portals auf diesem Planeten zu erfahren. Hm... lass uns mal die kleine Siedlung besuchen. Bin gespannt, wen wir da antreffen.“

    Wir verließen diese marode Anlage und machten uns auf den Weg zu der Siedlung, die uns die Gek genannt hatten.



    Es war ein langer Flug, der uns hoch auf die nördliche Halbkugel führte. Auf einer Ebene am Rand eines Gebirgszuges lag schließlich unser Ziel.

    Milly landete den Jäger auf der Plattform vor dem Hauptgebäude. Kurz nachdem ich mich außerhalb des Schiffes rematerialisiert hatte, kam auch schon der diensthabende Servicemanager in's Freie, um die Formalitäten für den Anflug zu erledigen. Ich versuchte ihn in ein Gespräch zu verwickeln und erzählte ihm von den Ruinen und den zerstörten Statuen. Der Gek klickte bedauernd mit dem Schnabel und zeigte sich darüber hinaus offensichtlich desinteressiert.



    Etwas enttäuscht begleitete ich ihn ins Innere des Gebäudes. Es hätte ihn wohl irritiert, wäre ich sofort wieder abgeflogen. Außerdem nahm ich die Gelegenheit solcher Besuche immer gerne wahr, um mir ein Bild von den Eigenarten einer Siedlung zu verschaffen. In solchen Stationen hatte ich schon häufig Unerwartetes entdeckt und erworben oder hatte selbst Abnehmer für die eine oder andere Ware gefunden.


    Im Hintergrund des Hauptgebäudes traf ich auf einen weiteren Gek, der dort einen kleinen Handelspunkt betreute.



    Im Gespräch mit ihm erwähnte ich ebenfalls unverfänglich meine Besuche der Ruinen und erzählte auch von den zerstörten Kommunikatoren dort. Dieser Gek reagierte allerdings ganz anders darauf, als sein Kollege. Mit unverhohlener Ehrfurcht sprach er von den alten Ruinen und ihrer Bedeutung als kulturelles Vermächtnis der ersten Buja-Gek. Offenbar wusste er von den Zerstörungen und war sich aber sicher, dass die Ruinen auch von dem großen Sriturko berichtet hätten, dem Friedensbringer, der hier auf Buja seinen Weg beendet habe.

    Ich hatte nicht damit gerechnet, aber ich hatte ihn gefunden, einen 'Gläubigen'.

    Vielleicht hatte er Recht und das Verstummen der Stimmen in den Ruinen hatte dazu geführt, dass unter den Einheimischen das alte Wissen um Sriturko verloren gegangen war. Erfreut davon, jemanden gefunden zu haben, der seine Überzeugung nicht belächelte, erzählte er mir von den alten Zeiten und dem Leben des Sriturko, der maßgeblich den Beginn der friedlichen Ära seiner Rasse begründet hatte.

    Das Meiste von dem war mir schon bekannt, aber ich unterbrach ihn nicht. Das Ende seines Vortrags handelte von dem Helden seines Volkes, der auf der Suche nach seinem persönlichen Frieden in die Randregion des Gek-Imperiums nach Buja gekommen war und hier sein Lebensende verbracht hatte.

    Damit war sein Wissen um Sriturko erschöpft. Er wisse allerdings von einem Gek mit Namen Grantok in einer anderen Siedlung, der als begeisterter Anhänger dieser Geschichte viele Details über Sriturko zusammengetragen habe. Wenn ich noch mehr über diesen besonderen Teil der Historie Bujas erfahren wolle, solle ich ihn aufsuchen. Er zückte sein Pad und gab mir die Koordinaten jener Siedlung.

    Ich bedankte mich ehrlich bei dem Händler und überreichte auch ihm für seinen lehrreichen Vortrag ein Gek-Relikt als Geschenk.

    Um nicht einen falschen Eindruck zu hinterlassen, verbrachte ich noch etwas Zeit in dieser Station und prüfte das Warenangebot. Schließlich verließ ich die Siedlung und startete mit Milly, um diese andere Siedlung aufzusuchen.

    Wieder vergingen einige Stunden Flugzeit, in denen die Landschaft unter uns zunehmend wilder und schroffer wurde. Dann aber flachte das Gelände wieder ab und am Ende lag die Siedlungsanlage auf einer staubigen Ebene am Fuß auslaufender Berge vor uns.



    Wir hatten keine Funkverbindung mit der Siedlung bekommen und als ich nach der Landung das offene Eingangschott bemerkte, sah ich meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt.



    Alles in der Station war von diesen grausigen Wucherungen überzogen. Ein Bild, das ich schon von anderen Planeten dieser Galaxie kannte. Keine Spur eines Gek. Wer weiß, welches grässliche Schicksal die Bewohner dieser abgelegenen Siedlung erlitten hatten. Immerhin war das Ende wohl schnell gekommen, denn offenbar hatte es nicht einmal die Zeit für einen Hilferuf gegeben und die Katastrophe war unbemerkt geblieben. Hier gab es keine Seele, die ich hätte retten können. Ein schwerer Rückschlag auch für meine Suche nach Informationen. Ich sah mich vorsichtig in den verschiedenen Bereichen der Siedlungsgebäude um und bemühte mich dabei, den schleimigen Wucherungen nicht zu nahe zu kommen. Ich wusste nicht recht, was ich suchte und hatte eigentlich auch keine Hoffnung, irgendetwas für mich hilfreiches zu finden. Wie erwartet gab es in den Räumen nichts, das mich bei meiner Suche weitergebracht hätte. In dem Zentralrechner der Siedlung fand ich allerdings im privaten Bereich des Siedlers Grantok eine verschlüsselte Datei mit dem Namen 'Buja'. Ich transferierte die Datei in Millys Speicher und hoffte darauf, dass die KI sie entschlüsseln können würde.

    Noch ein wenig länger durchforstete ich den Speicher des Zentralrechners, fand aber nichts von Bedeutung für mich. Schließlich verließ ich diesen Ort des Grauens, kehrte zu meinem Schiff zurück und nahm zur planetaren Verwaltung Kontakt auf, um sie über die Katastrophe in dieser Siedlung zu informieren. Der Gek, mit dem ich sprach, zeigte sich entsetzt. Ich glaubte fast die Duftwolke, die er spontan ausstieß, durch das Funkgerät wahrnehmen zu können.


    ...

  • Dem Ziel entgegen


    „Milly, konntest du die Datei entschlüsseln?“

    „Die Entschlüsselung konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Es handelte sich nur um einen einfachen Zugriffsschutz, der leicht entfernt werden konnte.“

    „Umso besser. Dann zeige mir das Ergebnis bitte an.“

    Auf dem Hauptdisplay vor mir erschien eine kurze Auswahl, die die folgenden Daten in drei Abschnitte unterteilte. Sinngemäß handelte es sich um die Bereiche 'privat', 'geschäftlich' und 'historisch'. Ich hatte kein Interesse daran in den persönlichen Dingen des Gek herumzustöbern und ignorierte daher die ersten beiden Abschnitte. Statt dessen tippte ich den Punkt 'historisch' an. Ein weiteres Inhaltsverzeichnis erschien und gab mir einen Überblick über die Themen dieses Bereichs. Vor allem ein Unterverzeichnis ließ mein Herz höher schlagen. Es hatte den Namen 'Sriturko'. Ich hielt den Atem an und tippte auf den Namen.

    Es folgten einige Schriften über ihn. Informationen über sein Leben und seine Rolle beim Niedergang des Gek-Dominion und dem Ende des grausamen Krieges gegen die Korvax. Die Texte waren einerseits sachlich, fast wissenschaftlich zusammengefasst und andererseits auch durchdrungen von der verklärenden Verehrung, die der Siedler Grantok dem großen Sriturko gegenüber empfunden hatte. Es gab noch einige kleinere Textdateien, wohl so eine Art Notizbuch. Daraus ging hervor, dass Grantok auch im großen Archiv des Gek-Zentralplaneten im System Balaron recherchiert hatte. Eindeutiges hatte er nicht gefunden, aber die paar bruchstückhaften Hinweise versuchte er, wie bei einem Puzzle, zu einem erklärenden Bild zusammenzufügen. Beweiskräftig gelungen war es ihm nicht, aber dennoch war er überzeugt gewesen, dass Sriturkos Ziel bei dessen letzter Reise Buja gewesen sein musste.

    Nun, das war alles wirklich interessant, aber es brachte mich keinen Schritt näher an diese verschollene Grabstätte heran.

    „Milly, zeig mir doch noch mal die Kartusche“, seufzte ich.

    Ich las mir den kurzen Text mehrfach durch. Hatte ich vielleicht irgendetwas übersehen? Nein, die dürren Zeilen gaben nichts her.

    „Moment mal...“, murmelte ich. Am Schluss hieß es dort: 'Ewig seine Ruhe in wilder Höhe über schattigem Tal.'

    Da die Einschnitte zwischen den Bergen sehr tief waren, hatte ich natürlich Schatten durch die steilen Felswände vermutet. Was, wenn es aber noch einen anderen Grund für ein schattiges Tal gab? Gut, das war natürlich nur ein sprichwörtlicher Strohhalm, an den ich mich klammerte, aber was blieb mir schon, nachdem die Aufzeichnungen des Siedlers letztendlich eine Enttäuschung gewesen waren.

    „Milly, war bei den Koordinaten, die wir bekommen haben nicht auch der Standort eines Handelsposten dabei?“

    „Das ist richtig. Möchtest du da hin?“

    „Ja. Ich habe da eine Idee. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf unserer Suche weiterhilft, ist zwar seeehr gering, aber wer weiß...“

    „Koordinaten sind eingeloggt, fertig zum Start.“

    „Ok, dann los.“

    Mit einem leichten Ruck hob der Milan ab. Milly schoss mit hoher Beschleunigung in den hohen Orbit, denn zu unserem Ziel war wieder einmal eine halbe Planetenumrundung nötig.

    Der 'Umweg' über den planetennahen Weltraum verkürzte die Flugzeit erheblich und so setzten wir schon bald auf einer der Landeflächen eines Handelspostens auf. Der Posten glich den unzähligen Handelszentren, die ich in dieser Galaxie schon besucht hatte. Irgendwie waren sie alle gleich, obwohl sie von unterschiedlichen Rassen betrieben wurden. Hier fand ich natürlich Gek-Personal vor und ich versuchte auch gleich mit den Händlern, die sich im inneren Bereich der Anlage aufhielten, in's Gespräch zu kommen. Schließlich fand ich einen Navigator, der auf meine vermutlich ungewöhnliche Frage einging.



    Ich hatte diesen Planeten als recht trocken und baumlos kennengelernt. Nur karger Bodenbewuchs und verschiedene Kakteen hatte ich gesehen. Aber gab es vielleicht auch Bäume auf Buja?

    Navigator Enlasa machte gerade Pause von was auch immer und war bereit, seine freie Zeit mit mir zu teilen. In der typischen klickenden Sprache seiner Rasse und begleitet von einer frischen und gleichzeitig irgendwie würzigen Duftwolke erzählte mir der Gek von Stellen im Hochgebirge der nördlichen Region, in denen am Grund tiefer Täler sogar Bäume wüchsen. Sie wären eine selten vorkommende Eigenart der Natur auf Buja und abhängig von raren Bedingungen. Nur in tiefen Tälern, deren Grund von Wasser bedeckt sei und weit von der Äquatorregion entfernt gäbe es solche Stellen, an denen Feuchtigkeit und Temperatur sogar das Wachsen von Bäumen erlaubten. Ich zeigte mich sehr interessiert an den Schilderungen und begründete es damit, dass ich ein umfassendes Bild von Buja erhalten wolle. Ich würde daher auch die nördlichen Gebirgsregionen aufsuchen, um solche Täler und die seltenen Bäume zu finden.

    Innerlich jubelte ich. Der Strohhalm hatte sich zum Seil entwickelt, an dem ich mich auf meiner Suche weiter entlang hangeln konnte. Der Weg war für mich noch nicht zu Ende und es gab berechtigte Hoffnung, die ungefähre Region des verschollenen Grabes ermittelt zu haben. Irgendwo im Norden musste es ein schattiges Tal geben, das zu Füßen des großen Sriturko lag.

    Ich bedankte mich sehr bei dem Navigator für dessen freundliche Auskünfte. Zurück im Milan ließ ich mir von Milly die Karten der nördlichen Hemisphäre auf den Bildschirm legen. Hm... Gebirge gab es da einige.

    „Wir können das wohl etwas einschränken“, meinte ich zu Milly. „Die Täler dürfen nicht zu nah am Äquator liegen und nicht zu nah am Pol. Wenn wir im Überflug auch noch nach Wasser scannen hilft uns das zusätzlich.“

    Ich tippte auf den Bildschirm. „Ich denke, wir sollten zwischen diesen beiden Breitengraden suchen. Milly lege doch mal einen Raster auf den Bereich. Kantenlänge 100 k im Quadrat und fortlaufend durchnummeriert.“

    Sofort erschien ein Gitter auf der Karte.

    „Puhh“, stöhnte ich. „Bei einer Flughöhe von 10 k und einem Scankegel von 25 k Durchmesser ist das eine Menge Gelände, dass wir abfliegen müssen. Zum Glück ist da ja nicht alles Hochgebirge, aber einige Tage werden wir wohl einrechnen können“.

    „Davon ausgehend. dass es etwas zu finden gibt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Erfolg erst am Ende der Suche einstellt, eher klein.“

    „Danke Milly, das tröstet.“ Ich markierte das Planquadrat 1. „Ok, lass uns loslegen. Je schneller wir beginnen, desto schneller haben wir Gewissheit.“

    Wir verließen den Handelsposten und nahmen Kurs auf das Zielgebiet im Norden. Diesmal verzichteten wir auf den 'Umweg' über den hohen Orbit und flogen in mittlerer Höhe und mit einer Geschwindigkeit von 800 u/s, um uns einen Eindruck von dem Gebiet und dessen Besiedlung zu verschaffen. Nach etwa einer Stunde registrierten wir unerwartet einen dieser alten Monolithen und legten da natürlich einen Zwischenstopp ein.



    Beeindruckend, diese alten Stätten und noch beeindruckender sind die flüsternden Stimmen, die diese Monolithen immer noch im Kopf des Besuchers ertönen lassen. Ich erbat von den Geistern die Position des großen Portals und gegen einen Tribut bekam ich die Koordinaten. Ich übertrug sie in Millys Speicher und setzte den Flug erst einmal, wie geplant, fort. Um das Portal würde ich mich später kümmern.

    Wir hatten ja schon zwei Drittel des Weges hinter uns und so erreichten wir nach einer weiteren guten halben Stunde das Startgebiet unserer Suche. Ich stieg auf 10 k und aktivierte den Scanner, der uns das Vorhandensein von H2O signalisieren sollte.

    Wir hatten uns schon bis zum 3. Planquadrat vorgearbeitet, als dieser erstmalig anschlug. Ein Intervallton machte uns auf einen Fund aufmerksam. Gleichzeitig wurde mir auf dem Bildschirm mit einem roten, blinkenden Lichtpunkt seine Position angezeigt. Ich reduzierte die Geschwindigkeit und tauchte ein in einen tiefen Bergeinschnitt. Am Grund fand ich in einem Talkessel einen See und auch einige Kakteen, aber Bäume fand ich nicht. Das war dann wohl nichts. Also wieder auf Scanhöhe und es ging weiter.


       


    In den folgenden Stunden zeigte der Scanner einige Male Wasservorkommen an, die aufgrund ihrer Größe auf Bergseen hindeuteten. Milly und ich tauchten dann immer tief in oftmals enge Schluchten, um uns die Gewässer näher anzuschauen. Meistens war aber außer Sand und kargem Uferbewuchs nichts zu entdecken. Jedoch stießen wir selten auch auf Täler, in denen es wirklich Bäume gab. Es waren zähe Gewächse mit breiten Kronen, die geeignet waren, möglichst viel von dem sparsamen Licht aufzufangen, dass bis in die Tiefen der Bergeinschnitte fiel. Andererseits verhinderte die geringe Sonneneinstrahlung auch das Austrocknen der Talsohlen, was wiederum erst das Wachstum der Bäume ermöglichte.

    An diesen raren Orten suchten wir dann intensiver die nähere Umgebung ab. Ich war dabei immer angefüllt von der Hoffnung, das verschollene Grab oder zumindest einen weiteren Hinweis darauf zu entdecken. Allerdings erfüllte sich meine Hoffnung nicht. Dunkelheit senkte sich über die Gebirgslandschaft und wir entschlossen uns die Suche bis zum nächsten Tag zu unterbrechen. Die Schiffssensoren hatten uns auch einen Unterschlupf angezeigt bei dem wir landeten. Es war ein schlichtes Gebäude ohne Komfort, aber den hatte ich bei einem Unterschlupf auch nicht erwartet. Ich war nur froh, die Nacht nicht im Pilotensitz verbringen zu müssen. Nachdem ich meinen Reiseproviant weiter dezimiert hatte, löschte ich das Licht.

    „Gute Nacht Milly.“

    Ich brauchte mir keine Sorgen zu machen. Milly war wach und ihre Systeme überwachten ständig die Umgebung.

    „Gute Nacht Berenth.“


    ...

  • Die Sonne stand bereits eine Handbreit über dem Horizont, als wir den zweiten Tag unserer Suche starteten. Wie tags zuvor wurden immer wieder mal Wasserfunde angezeigt. Bei näherer Untersuchung erwiesen sich die Täler aber als baumlos. Nur in wenigen Fällen stießen wir auf diese spezielle Besonderheit der Natur. Jedesmal schlug mein Herz dann höher. Sollte dies das Tal sein, auf das der Text in der alten Kartusche hinwies? Und jedesmal wurden meine Hoffnungen wieder enttäuscht. Nichts als steinige Felswände mit sandigen, öden Vorsprüngen hier und da.

    Die Stunden gingen ereignislos dahin. Die einzige Abwechslung war eine Sendestation, die wir entdeckten und besuchten.



    Die Station erwies sich als unbemannt und wenig interessant für uns. Daher hielten wir uns auch nicht lange dort auf und setzten unseren Scanflug fort. Auch die verbleibenden Stunden dieses Tages vergingen ergebnislos und schließlich war es an der Zeit sich über ein Quartier für die Nacht Gedanken zu machen.

    Immerhin dabei hatten wir Glück und wir fanden ein Observatorium, das beinahe idyllisch auf einem Plateau, umgeben von Bergen, lag. Wie wir feststellten, wurde auch das Observatorium vollautomatisch betrieben und es gab kein Personal weit und breit. Naja, eigentlich war mir das momentan auch ganz recht und ich beschloss hier die Nacht zu verbringen.



    Es war der dritte Tag und frei nach dem Motto 'Alle guten Dinge sind drei' war ich ausgeruht und weiterhin voller Hoffnung wieder gestartet. Inzwischen waren wir schon eine geraume Zeit unterwegs und überflogen eine Gebirgskette am südlichen Rand des von mir festgelegten Suchkorridors. Wieder einmal schlug der Scanner an. Die Anzeige auf dem Display informierte über ein Wasservorkommen und der rote Leuchtpunkt zeigte mir dessen Position.

    „Auf ein Neues“, brummte ich und steuerte den Jäger tief hinab zwischen die Bergflanken.

    Wir flogen um eine letzte Felsenkante und da glitzerte ein See vor uns. Ein breiter Sandstrand bildete das Ufer. Natürlich gab es auch hier überall die üblichen Kakteen, aber eben nicht nur. Eine größere Gruppe dieser besonderen Bäume wuchs über den Strand verteilt und spendete den niederen Pflanzen kühlenden Schatten.



    So weit – so gut. Nun begann wieder die intensivere Begutachtung der umgebenden Berge. Milly ließ den Jäger langsam und in Kreisen steigen. Dabei untersuchte wir die Hänge nach irgendwelchen Besonderheiten.

    „Meine Sensoren zeigen eine Höhle oder Vertiefung im Berghang bei 243 Grad. 1083 u voraus und 625 u höher“, meldete sich Milly sachlich.

    Die Anspannung in mir stieg und ich fühlte, wie der Herzschlag sich beschleunigte, als ich den Milan vorsichtig und langsam zur angegebenen Stelle steuerte.


    Da, ich sah es!

    Das Loch im Berghang war eingefasst von Säulen. Wie der Eingang zu einem Tempel.

    „Wir haben es gefunden, Milly“, flüsterte ich fast.


    ...

  • Das verschollene Grab


    Ich konnte es kaum fassen. Unsere Suche war erfolgreich gewesen und wir hatten sie gefunden, die letzte Ruhestätte des großen Sriturko.

    Auf halber Höhe bildete der Berg eine Art Absatz. Sandbedeckt, mit einigen obligatorischen Kakteen und anderen zähen Pflanzen bewachsen und groß genug, um den Milan bequem dort zu landen. Ich war noch ganz aufgeregt. Ein wenig kam ich mir vor wie Indiana Jones, eine fiktive Figur aus Terras früheren Zeiten, die ebenfalls erfolgreich alten Artefakten nachgejagt war.

    Zunächst einmal war jetzt das weitere Vorgehen zu überlegen. Ich entschloss mich, auf diesem Absatz einen Basispunkt zu errichten, damit ich jederzeit und schnell wieder hierher finden konnte. Die Fläche hier lag zwar etwas versteckt, war aber groß genug, um z. B. ein Landefeld zu errichten. In einer kleinen Mulde war ein guter Platz für einen Basis-Terminus. Der würde mir die unbequeme Gebirgsfliegerei ersparen.

    Milly war einverstanden mit meinem Plan. Ihre Meinung war mir wichtig, denn dadurch bekam ich auch die Gewissheit, dass ich nichts vergessen oder sich womöglich ein Gedankenfehler eingeschlichen hatte. Doch zunächst wollte ich ein wenig klettern gehen und mir die geheimnisvolle Höhle von Nahem ansehen.

    Für meine Tour war es noch früh genug am Tag. Ich wusste ja schon, dass die Nächte auf dieser Welt empfindlich kalt waren und das Heizsystems des Anzugs dann stark belastet werden würde.

    Also trödelte ich nicht herum und wanderte los. Auf sandigem Boden stapfte ich vorbei an Kakteen, machte einen Bogen um Beutelgift-Pflanzen, weiter über blühende Bodendecker und grüne grasartige Pflanzen und erreichte nach ungefähr 150 u eine Senke, von der aus ein Aufstieg möglich schien. Anfangs ging das auch relativ leicht, aber dann wurde es doch zunehmend schwerer, einen gangbaren Weg zu finden. Ein gutes Stück über mir sah der Felshang aus, als gäbe es dort wieder einen Absatz. Ohne mein Jetpack würde es jedoch wohl schwer, wenn nicht gar unmöglich sein ihn zu erreichen. Also gut, das Bergsteiger-Ego musste in den Hintergrund treten und die Technik kam zum Zug. Auf dem kraftvollen Jet des Rucksacks schoss ich dicht an der Felswand entlang nach oben und landete auf einer kleinen Ebene. Etwa 50 Schritte von einem Rand, von dem es einerseits steil bergab ging, ich aber andererseits auch den Säuleneingang vor mir sehen konnte. Die schlechte Nachricht war, es gab zwischen dem Absatz und dem Höhleneingang nur eine glatte, steil abfallende Felswand. Die Erbauer des Grabmals mussten schon vor tausend Jahren über eine unglaubliche Technik verfügt haben, um diese Stätte hier anlegen zu können.



    Wieder kam also mein Jetpack zum Einsatz und ich überwand den Abgrund im Flug.

    Nun stand ich zwischen den hohen Säulen und blickte aus der Nähe auf das Grabmal. Es befand sich in einer sehr kleinen Höhle, mehr eine Vertiefung in der Felswand. Auf einem glatten Block, der aus dem selben Material zu sein schien wie die Säulen und fast an einen Altar erinnerte, stand eine große goldene Statue. die offenbar Sriturko darstellte. Der Gek wies mit ausgestrecktem Arm aus der Grabstätte heraus in die Ferne, als sähe er dort die Zukunft.



    Ich betrat das 'Mausoleum' und spürte dabei ein fast ehrfürchtiges Gefühl angesichts dieses Hauchs von Geschichte. Vorsichtig sah ich mich ein wenig um. Die Stätte war im Grunde recht schlicht. Außer dem 'Altar' und der Statue gab es keine Besonderheiten. Die Besonderheit war dieses 'Mausoleum' an sich.

    Schließlich riss ich mich von meiner Entdeckung los und machte mich auf den Weg, zurück zum Landeplatz. Der Tag ging allmählich zur Neige und ich wollte vor Einbruch der Dämmerung wieder beim Milan sein. Für den letzten kleinen Absatz in den Felsen hatte ich dabei schon einen Plan. Dort wäre der passende Ort für ein Zwischenlager, einen geschützten Unterschlupf kurz vor der letzten Etappe des Weges.

    Dunkelheit senkte sich über das Gebiet, nicht lange nachdem ich wieder im Jäger saß. Sowas ging im Gebirge ja immer sehr schnell. Gleichzeitig sank die Außentemperatur extrem ab, aber im Schiff störte es mich nicht.


    Am folgenden Tag war die Morgenröte gerade dem hellen Tageslicht gewichen, als ich damit begann meine Pläne in die Tat umzusetzen. Millys Mithilfe war erneut unverzichtbar, denn die benötigten Materialien konnten nur mit Hilfe des Schiffsreplikators bereitgestellt werden.

    Zunächst errichteten wir in der Mulde einen Basis-Terminus und versorgten ihn mit Solarstrom. Aus der Mulde heraus bauten wir eine Treppe, an der direkt ein Landefeld anschloss. Der erste Schritt war getan, aber der größte Teil der Arbeit lag noch vor uns. Ausgehend von der Stelle, an der ich am Vortag meinen Aufstieg begonnen hatte, errichteten wir eine Art Treppengerüst, über das man relativ bequem bis zu jenem Absatz gelangte, auf dem ich ein Zwischenlager geplant hatte.

    Diese Zwischenstation hatten wir schlicht gebaut. Allerdings verfügte sie über einen beheizten Freisitz, von dem aus man einen traumhaften Ausblick auf die Gebirgslandschaft und das nebelige Tal hatte.



    Ein weiterer Tag war vergangen. Ich war zufrieden mit dem, was wir geleistet hatten und gönnte mir einen letzten Blick ins Tal, bevor ich wieder zum Schiff zurückkehrte.



    Am nächsten Tag war nur noch eines zu tun. Wir mussten eine Möglichkeit schaffen, um vom Unterschlupf zur Grabstätte zu gelangen. Zu diesem Zweck hatten wir in schwindelnder Höhe einen Holzsteg direkt an der glatten Felswand entlang vorgesehen. Das war nichts für unsichere Wanderer, aber dennoch ein sicherer Weg.



    Es war geschafft. Unser archäologisches Abenteuer ging dem Ende zu. Jetzt war der Punkt erreicht, an dem ich den Gek ein verlorenes Teil ihrer Geschichte übergeben konnte. Ich würde dazu zu jenem Archiv zurückfliegen, das ich schon einmal besucht hatte. Von dort aus wollte ich Kontakt zur Zentralwelt der Gek aufnehmen und meinen Fund bekannt geben. Gleichzeitig würde ich diese Information auch der planetaren Regierung Bujas zur Verfügung stellen. Ich konnte mir vorstellen, dass danach einige 'Spinner' in ganz anderem Licht dastehen würden.


    Aber zunächst wollten wir dem planetaren Portal einen kurzen Besuch abstatten.



    Wer sich ein wenig den Wind der Geschichte der Gek um die Nase wehen lassen möchte:

    Das Grab des Sriturko ist bei + 13.87 / - 151.07