Milly und ich (6) - Eine neue Welt

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  • In Fielde Hanis


    Nach der Fertigstellung des neuen Ferienhauses auf Eusiena Alpha hatten wir noch eine Weile die schöne Umgebung und die Ruhe dort genossen. Vor allem das angenehme Klima macht die Basis dort zu einem Ort, an dem man uneingeschränkt entspannen (um nicht zu sagen faulenzen) kann.


    Rago war, als ich ihn 'adoptierte', Milly zunächst fast unsicher begegnet. Keine Ahnung, was seine Spezies über das mir mögliche hinaus wahrnehmen konnte, doch als Hologramm war Milly für die feinsten Sinnesorgane völlig neutral und das irritierte ihn. Da war kein Geruch, kein Geschmack, keine Aura – ein merkwürdiges Wesen. Aber inzwischen hatte er sich an sie gewöhnt und akzeptierte sie mit der gleicher Freundlichkeit und Sympathie wie mich.

    Auf Eusiena Alpha streiften die Beiden oft durch das hohe grüne 'Gras' zwischen den Blumen und Bäumen. Ausgedehnte Wanderungen waren Milly leider nicht möglich, da der Bewegungsradius ihres holografischen Avatars durch die Reichweite des Schiffsteleporters begrenzt wurde. Dessen ungeachtet schien es ihr Freude zu machen. Kann eine KI Freunde empfinden? Ich behaupte, meine ja. Die Schöne und das Biest nannte ich sie grinsend in Gedanken.



    Doch nun waren wir zurück in der Hauptbasis Fielde Hanis auf dem Planeten Date 32/I8. Alle Systeme dieser Basis funktionierten zwar vollautomatisch, dennoch wollte ich sie nicht für längere Zeit unbeaufsichtigt lassen.

    Rago fühlte sich auch in Fielde Hanis wie zu Hause, denn er war von seiner Heimatwelt sporadische Regenschauer gewohnt, die auch hier ab und zu über das Gelände fegten. Dank einer neuen Technologie, die auf der Teleportertechnik beruhte, war es möglich, ihn auf meinen Reisen mitzunehmen. Ähnlich, wie bei einem Teleporter wurde er in Atome zerlegt, die in einem speziellen Gerät gespeichert wurden. Am Ziel konnte er aus diesem Zwischenspeicher wieder rematerialisiert werden. In einem relativ engen Jägercockpit wäre seine Begeleitung sonst nicht machbar gewesen.

    Dieses Phänomen kennt wohl jeder: Kaum waren die Urlaubs- oder Ferientage vorüber, steckte man schon wieder im normalen Zeitablauf mit eher alltäglichen Dingen und das 'Dolce Vita' war bloße Erinnerung. Nachdem ich vor allem in der landwirtschaftlichen Sektion alles überprüft hatte (es lief auch ohne mich alles erwartungsgemäß optimal) widmete ich mich den Dokumentationen meiner letzten Reisen. Da war vieles noch zu tun, denn oft hatte ich meine gewonnenen Erkenntnisse nur für eine spätere Auswertung gespeichert. Jetzt warteten diese Rohdaten darauf analysiert und bewertet zu werden.


             

    Zwischendurch flogen Milly und ich zur hiesigen Raumstation, um mich mit den Bekannten dort

    zu unterhalten und mich im Gespräch mit anderen Besuchern der Station auch in interstellaren Dingen auf dem Laufenden zu halten. Einige der Händler zwischen den Sternen berichteten von zunehmenden Schwierigkeiten in ihrem Geschäft. Grund dafür war wohl die vermehrte Einflussnahme einer neuen politischen Macht, die sich Sternenunion nannte. Nun, ich war ein Forscher und Entdecker und an Politik wenig interessiert.


              


             


    Auch die Weltraumanomalie besuchten wir. Hier trafen sich Reisende aus allen Ecken der Galaxis und es herrschte, wie immer, eine hohe Betriebsamkeit. Von einem Balkon aus schaute ich eine zeitlang der Ankunft und Abreise unterschiedlichster Wesen zu, um dann das Ausstattungszentrum aufzusuchen. Hier boten verschiedene Händler Technologien und Upgrades an. Ich vergewisserte mich, ob ich in allen Bereichen auf dem aktuellen Stand der Möglichkeiten war. Zufrieden mit dem Ergebnis schlendete ich noch durch das Handelszentrum und unterhielt mich dort ein wenig mit der Iteration Helios, der ich besonders große Sympathie entgegen brachte.



    Wieder in Fielde Hanis war schnell wieder unser Ferienplanet das Gesprächsthema.



    Eusiena Alpha ließ uns noch nicht los und Milly führte mir ein wichtiges Detail vor Augen:

    „Abgesehen von dem Teil des Landes, in dem wir das Ferienhaus gebaut haben, wissen wir nicht viel von dieser Welt.“

    „Ja, das stimmt. Wir kennen zwar einige Tiere und Pflanzen in der Region und wissen auch, dass dort global ein angenehmes Klima herrscht, aber im Grunde wissen wir nicht viel von dem Planeten.“

    Milly betrachtete interessiert das kleine Wesen in dem Terrarium in der Mitte des großen Wohnraums. „Wir könnten das ändern“, meinte sie fast beiläufig.

    Das Einfühlungsvermögen der KI verblüffte mich immer wieder. Sie sah mich sicher als eher unvollkommene biologische Einheit und brachte mich auf geschickte Weise dazu meine verborgensten Wünsche zu erkennen.

    Nach unserer Rückkehr in den Alltag hatte ich versucht, mich durch Arbeit und kleine Stippvisiten abzulenken. Aber der Entdecker in mir war unzufrieden mit der Situation. Die Aktion Ferienhaus war noch nicht abgeschlossen. Ich musste Eusiena Alpha richtig entdecken.

    Jetzt, wo ich das erkannte, war mein Entschluss gefasst.

    „Du hast völlig Recht, Milly. Morgen brechen wir auf und holen das nach.“

    „Bereit, wenn du es bist“


    Einen kurzen Moment lang hatte ich geglaubt, ein fast spitzbübisches Grinsen auf ihrem Gesicht gesehen zu haben. Aber da hatte ich mich wohl getäuscht.


    ...

  • Einige der Händler zwischen den Sternen berichteten von zunehmenden Schwierigkeiten in ihrem Geschäft. Grund dafür war wohl die vermehrte Einflussnahme einer neuen politischen Macht, die sich Sternenunion nannte. Nun, ich war ein Forscher und Entdecker und an Politik wenig interessiert.

    Diese Bastarde sind auch wirklich überall ^^

  • Auf Eusiena Alpha


    Dank des riesigen Netzwerks der Basis-Termini war die Reise zu meinem Ferienhaus eine Sache von Sekunden. Auf herkömmlichen Weg, mit einem Raumschiff, hätte ich die riesige Entfernung zum System Wazeifur nur mit mehreren Hypersprüngen und einer um ein Vielfaches höheren Reisezeit bewältigen können.

    So fanden Milly und ich uns also am Tag darauf wieder in meiner Ferienbasis Idpor ein.

    Ich entschloss mich, zunächst die Raumstation dieses Systems aufzusuchen, die im nahe Raum über dem Planeten Ruceste hing. Ich wollte mich eingehender über dieses System im Allgemeinen und den Planeten Eusiena Alpha im Besonderen zu informieren.



    Viel Neues erfuhr ich allerdings nicht. Wazaifur war das System einer gelben Sonne, das zum Einflussgebiet der Vy'keen gehörte. Das System umfasste 5 Planeten und 1 Mond. Außer Eusiena Alpha besaßen alle Welten ein für mich eher ungesundes oder unangenehmes Klima. Auch der Mond Ewcas IX, der den Planeten Nuckl umkreiste, war da keine Ausnahme. Kurz gesagt, sie waren völlig uninteressant für mich und ich konnte mich also ganz auf meinen Ferienplaneten konzentrieren.

    Auf dem Rückflug dorthin bot sich mir aber ein schönes Bild. Alle Planeten befanden sich in günstigen Positionen für einen kompletten Blick auf das System.



    Milly hatte die direkte Route zu Eusiena Alpha im Navigationscomputer gespeichert und nach einem schnellen Impulsflug füllte die Kugel zunehmend das Sichtfeld des Cockpits aus.


             




    Bald darauf durchflogen wir schon die oberen Schichten der Atmosphäre, was uns einen detaillierteren Ausblick auf die Oberfläche bescherte. Nur kurz hatte ich überlegt, wo ich denn meine Erkundungstour beginnen sollte. Aber ich kam dann schnell zu dem Ergebnis, dass das eigentlich einerlei war. Also ließ Milly das Schiff auf der unserem Ferienhaus entgegengesetzten Seite des Planeten auf eine relativ niedrige Reiseflughöhe absinken und nahm dann Kurs auf unsere Basis.

    Auffällig waren die markanten Steinformationen. Wir durchquerten mehrere Zeitzonen und erlebten dabei auch den Tag-/Nachtwechsel. Überall bestimmten diese speziellen Formationen die Landschaft.


             


    Allgegenwärtig zeigten sich auch lockere Ansammlungen von Sternendorn, deren leuchtende Blütenkelche, vor allem nachts, weithin sichtbar waren.




    Für zwei der in der planetaren Datenbank aufgeführten Tiere sollte Sternendorn die bevorzugte Nahrungsquelle sein. Diese beiden Arten habe ich entsprechend im Umfeld der Pflanzen auch vorgefunden. Es handelte sich um ein Landtier und ein Flugtier.


             





    ...

  • Aber noch eine andere Besonderheit wurde mir klar. Auf meinem langen Flug der Planetenumrundung stieß ich gefühlt alle paar Minuten auf eines der riesigen Archivgebäude.

    Ich denke, man könnte Eusiena Alpha durchaus als 'Archiv-Planeten' bezeichnen.


             


    Die Bauform der Anlagen war identisch. Da ich nicht glaubte, dass das dort archivierte Material es auch war, könnte dort wohl das gesamte Wissen dieser Galaxis gespeichert sein, was diese Welt zu einer der wichtigsten in Euklid machen würde.

    Auf meinem Weg überflog ich auch die eine oder andere kleine Siedlung, ein Handelszentrum und verschiedene andere Gebäude, wie man sie auf fast jeder Welt vorfindet. Ich sah daher keinen Anlass dafür, dort überall zu landen. Lediglich bei den außerirdischen Artefakten, die ich entdeckte, legte ich einen Stopp ein.


             


    So erhielt ich auch die Koordinaten einer uralten Ruine, die ich natürlich aufsuchte und in einer flachen Mulde fand ich dieses geheimsvolle Zeugnis einer längst verschwundenen Kultur.



    In unmittelbarer Nachbarschaft des historischen Gebäuderestes klaffte ein scheunentorgroßes Loch in der Flanke der Mulde. Ein Eingang zum Inneren des Planeten.

    Das ließ ich mir nicht entgehen, denn die Höhlenwelt Eusiena Alphas wollte ich mir unbedingt ansehen. Eventuell würde ich ja auch die beiden Höhlenbewohner finden, die in der planetaren Datenbank erwähnt wurden.



    Angenehme Kühle und ein dämmriges Licht empfingen mich bei meinen ersten Schritten in diese Grotte. Aber als meine Augen sich an das schwächere Licht gewöhnt hatten, entfaltete das Höhleninnere seine ganze Pracht und Farbenvielfalt.



              


    Hier und da musste ich enge Durchgänge und Spalten mit dem Terrainmanipulator erweitern. So stiess ich auch auf einen unterirdischen kleinen See mit Sandstrand.






    ...

  • Das Ganze erwies sich als ein sehr weit verzweigtes Höhlensystem und bildete eine komplett eigene Welt im Untergrund.

    Einen der Höhlenbewohner traf ich allerdings schon in der Nähe des Eingangs an. Das Wesen glich einer terranischen Ananas :-). Der zweite blieb mir hier verborgen. Vielleicht würde ich ihn bei einer anderen Höhlenwanderung finden. In der Datenbank war auch vermerkt, dass das Tier selten vorkommt. Daher machte ich mir darüber weiter keine Gedanken.



    Wieder zurück an der Oberfläche machten Milly und ich einen Abstecher an's Wasser. Kleine und größere Seen gab es hier überall.

    Auch eine weitere fliegende Spezies entdeckte ich hier.



    Wie auf fast jeder Welt hielten sich Lebewesen gerne in der Nähe von Orten auf, an denen es Wasser gab. Da bildete dieser Planet keine Ausnahme und entsprechend stieß ich in der Nähe auch auf verschiedene Arten der Fauna.



    Ein besonders schönes Bild bot dabei eine Herde saurierähnlicher Landtiere, die zusammen mit ihrem Nachwuchs durch die grüne Landschaft an einem Seeufer wanderte.



    Ein weiteres Tier fiel mir durch seine intensive rote Hautfärbung auf.



    Natürlich war ich nicht nur hier, um die Gegend und das Leben am Ufer zu bewundern. Ich wollte ja auch wissen, wie es unter der Wasseroberfläche aussah. Also stiefelte ich geradewegs in das rote (ach ja...seufz) Wasser. Wie sich heraus stellte, war der See nicht sehr tief und alles zeigte sich in rötliches Licht gehüllt. Fische im herkömmlichen Sinn gab es hier nicht, dagegen habe ich alle in der Datenbank genannten Meereslebewesen in diesem See finden können. Es waren durchweg kleine krabbenähnliche Tiere, die flink auf ihren Beinchen zwischen der Flora am Seegrund unterwegs waren.


             




    Unter einer aufregenden Unterwasserwelt stellte ich mir etwas anderes vor. So schwamm ich, etwas enttäuscht, wieder zurück an Land.

    Nun, die Küste des nächsten Ozeans war ja nicht soweit entfernt und bald darauf stand ich am Ufer eines großen Meeres, gespannt darauf, ob ich hier mehr Tiefgang und interessantere Strukturen vorfinden würde.




    ...

  • Allerdings konnte und wollte ich ja nicht kilometerweit in die offene See hinausschwimmen. Ich baute also eine 'Nautilon-Kammer' und rief das Uboot herbei.



             


    Ich hatte schon tiefere Ozeane gesehen. Entsprechend war es selbst am Meeresboden nicht richtig dunkel. Statt dessen war auch hier alles um mich herum in ein trübes rötliches Licht getaucht. Allerdings war es hier schon um einiges interessanter, als in den flachen Seen. Besonders beeindruckend fand ich die grünlichen Strukturen, die, beinahe wie kristalline Wälder, den gesamten Grund bedeckten.

    Sie sahen gleich aus, aber waren doch unterschiedlich. Manche bestanden hauptsächlich aus Salz, andere aus Chlor und manche wuchsen so hoch, dass sie die Wasseroberfläche durchbrachen. Neben gepanzerten Muscheln, die ihre lebenden Perlen fest umschlossen hielten, fand sich hier auch Zytophosphat im Überfluss. Dessen 'Ernte' setzte manchmal kleine leuchtende Energiewesen frei, denen man nicht zu nahe kommen sollte.


             


    Aber nach einer Weile war diese unterseeische Landschaft doch etwas monoton. Das Fehlen von diversen Fischschwärmen, die zwischen den 'Kristallen' umher schwammen, trug wohl noch dazu bei. Ich machte mit der Nautilon also kehrt und fuhr zurück an Land. Dabei kam ich an dem halb versunkenen Wrack eines abgestürzten Frachters vorbei.


             


    Überhaupt schien in diesem Sonnensystem die Navigation nicht so ganz einfach zu sein, denn ich hatte auch an Land schon zwei Absturzstellen von Frachtern überflogen.


             


    Anscheinend waren im System Wazaifur besonders gute Navigatoren (und Piloten) gefragt.


    Milly und ich näherten uns allmählich unserer Basis Idpor. Ich wollte vorher aber noch eine weitere Höhle erkunden, denn ich hatte diesen seltenen Höhlenbewohner ja noch nicht gefunden.

    Höhlen gab es hier genug, das hatte ich auf unserer Reise schon festgestellt. Also hatte ich die Qual der Wahl. Ich entschied mich für eine, deren Einstieg nah bei einem fast romantisch zwischen Bäumen gelegenen Monolithen lag. Es stellte sich heraus, dass meine Entscheidung eine gute gewesen war, denn schon am Eingang zur Höhle begegnete mir das kleine Tier, das offensichtlich nicht nur selten vorkam, sondern auch sehr scheu war. Als ich mich näherte, huschte es blitzschnell in die Grotte und war nicht mehr gesehen.





    ...

  • Wir waren insgesamt einige Tage unterwegs gewesen und hatten dabei alle Bereiche des Planeten erkundet. Dabei kam uns auch das absolut angenehme Klima auf Eusiena Alpha zugute, das es uns ermöglichte, uns völlig ungestört von Stürmen etc. zu bewegen.

    Angenehm war auch, dass es hier keine aggressiven Räuber gab und keine Fleischfresser vor denen man auf der Hut sein musste.

    Alle in der planetaren Datenbank aufgeführten Vertreter der Fauna hatten wir gefunden. Dazu gehörten natürlich auch die schönen, gelb leuchtenden Schmetterlinge, deren Schwärme häufig auftraten. Auch bei unserem Ferienhaus flatterten sie umher.



    Wir waren am Ende unserer Tour und ich hatte nicht mehr dieses unbestimmte Gefühl etwas nicht zu Ende gebracht zu haben.

    Die Dunkelheit hatte sich über Idpor gesenkt. Ich stand auf der Terrasse und schaute in den klaren Nachthimmel. Die Sterne funkelten prächtig und ich konnte sogar mit bloßem Auge meinen Frachter und die Weltraumanomalie sehen.





    Näheres zu meinem Ferienhaus auf Eusiena Alpha: Basis Idpor